Lexikon der Fernerkundung

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Wärmestrahlung

Syn. Thermalstrahlung; Wärmestrahlung ist elektromagnetische Strahlung, die von jedem Körper ausgesendet wird. Sie umfasst im elektromagnetischen Spektrum die UV-Strahlung, das sichtbare Licht und die Infrarot-Strahlung. Die zugehörigen Wellenlängen liegen also etwa im Bereich von 1nm – 100 µm. Einige Autoren setzen die Wärmestrahlung mit Infrarotstrahlung gleich, bzw. mit Infrarotstrahlung und sichtbarem Licht.
Thermal- und Mikrowellenstrahlung spielen in der Geofernerkundung eine besondere Rolle, da ihre Ausbildung auf andere Eigenschaften der Oberflächenmaterialien zurückzuführen sind. Thermalstrahlung wird von Objekten emittiert und ist somit ein Maß der Oberflächentemperatur. Man spricht analog zum Reflexionsgrad von einem Emissionsgrad. Dieser ist materialspezifisch (Wärmekapazität) und kann ggf. zur Differenzierung von Objekten genutzt werden.
Wichtiger ist in der praktischen Fernerkundung die Lokalisierung von künstlichen oder natürlichen Wärmequellen (z.B. aktive Vulkane, Kühlwassereinleiter von Kraftwerken und Industrieanlagen). Zu diesem Zweck werden oft Nachtaufnahmen analysiert, da hier der Einfluss von erwärmender Sonneneinstrahlung ausgeschlossen werden kann. Die Auswertung von Thermaldaten gilt als schwieriges Unterfangen, da die nötige absolute Temperaturkallibrierung oft nur unzureichend möglich ist.

WALES

Engl. Akronym für Water Vapour Lidar Experiment in Space; Mission der ESA, die genaue Vertikalprofile über den Wasserdampfgehalt der Atmosphäre liefern wird. Die Daten werden von einem differentiellen Absorptionslidar an Bord eines Satelliten auf sonnensynchroner Umlaufbahn aufgenommen.

Wasserdampffenster

Bezeichnung für Bereiche des elektromagnetischen Spektrums, (3-5 µm, 8-11 µm, teilweise bis 20 µm) in denen das Treibhausgas "Wasserdampf" nur geringe Absorptionswirkung besitzt und so die terrestrische Ausstrahlung (bei wolkenfreier Atmosphäre) in das Weltall ermöglicht.

WCRP

Siehe World Climate Research Programme

WDC-RSAT

Siehe World Data Center for Remote Sensing of the Atmosphere

Wellenlänge und Frequenz

Die elektromagnetische Strahlung transportiert Energie in Wellenform mit einer Geschwindigkeit von c = 299.792 km/sek. Die Strahlung kann durch ihre Wellenlänge und Frequenz beschrieben werden.
Als Wellenlänge bezeichnet man den Abstand zwischen jeweils zwei Wellenbergen. Diese Länge kann in Metern, Nanometern, Mikrometern, oder wie in der Grafik unten auch in Ångström (Å) angegeben werden.
Das gesamte elektromagnetische Spektrum besitzt Wellenlängen zwischen Milliardstel Meter (Gammastrahlen) und einigen Metern (manche Radiowellen).

Als Stellvertreter für "Wellenlänge" wird oft λ verwendet. Der Kehrwert 1/λ wird als "Frequenz" (oft ν oder f) bezeichnet. Die Frequenz gibt an, wieviele Wellenberge einer sich fortbewegenden Welle pro Sekunde an einem festen Ort durchgehen. Die verwendete Einheit ist "pro Sekunde" (s-1). Im elektromagnetischen Spektrum reichen die Frequenzen von weniger als 1 Milliarde Wellen pro Sekunde (Radiowellen) bis zu über 3 Milliarden Wellen pro Sekunde (Gammastrahlen). Die Frequenz wird in Hertz (Hz) gemessen, dies entspricht einem Wellendurchgang in einer Sekunde.
Wellenlänge und Frequenz stehen in einem Zusammenhang, ausgedrückt in folgender Formel:

Dabei ist c die Lichtgeschwindigkeit, also jene Geschwindigkeit, mit der sich Licht im Vakuum fortbewegt (= 2.998·108 m/s). Je kürzer die Wellenlänge um so kürzer ist die Frequenz. Je länger die Wellenlänge um so höher ist die Frequenz.

Variationen der Wellenlänge in verschiedenen Spektralbereichen

Die Wellenlänge beschreibt einen Wellendurchgang und kann als die Länge zwischen drei Nulldurchgängen oder den Abstand zwischen zwei Wellenbergen beschrieben werden.

Die Wellenlänge wird in Meter (m) oder in Teileinheiten z.B. Nanometer (nm, 10-9m), Mikrometer (μm, 10-6m), Zentimeter (cm, 10-2m) oder in Ångström gemessen.

Die Frequenz beschreibt die Anzahl der Wellendurchgänge durch einen bestimmten Punkt der Ausbreitungsachse in einer definierten Zeit. Die Frequenz wird in Hertz (Hz) gemessen, dies entspricht einem Wellendurchgang in einer Sekunde.

Quelle: http://meteo.sf.tv/sfmeteo/wetterlexikon.php
 

Strahlung wird beschrieben durch ihre Wellenlängen bzw. durch ihre Frequenz. Und auch Schall ist nichts anderes als eine Welle.

Weltraumbahnhof

Startanlage für Trägerraketen, die Weltraummissionen starten können. Dabei kann es sich um unbemannte Satelliten- oder Raumsondenstarts oder bemannte Raumflüge handeln. In Russland und China ist auch der Begriff Kosmodrom geläufig, Weltraumbahnhöfe werden derzeit von einzelnen Weltraumnationen oder Staatenorganisationen (wie der ESA) unterhalten.

Die Kriterien für den Standort eines Weltraumbahnhofs sind vielfältig. Er sollte an einem geologisch stabilen Ort gebaut werden, der zudem von größeren und häufigen Unwettern verschont wird, da Raketenstarts bei Regen oder Sturm meist abgesagt werden müssen. Zudem sollte der Startplatz möglich nahe am Äquator liegen. Dies hat mit der Erdrotation zu tun: Unser Heimatplanet dreht sich an verschiedenen Orten unterschiedlich schnell: Während sich die Erde im Zentrum des Nordpols gar nicht dreht, ist die Rotation am Äquator mit etwa 1630 km/h maximal. Dort hat die Rakete bereits die höchste Grundgeschwindigkeit und muss bei einem Start nach Osten weniger beschleunigen, um insgesamt auf die gleiche Geschwindigkeit zu kommen. Zudem erleichtert die Lage das Erreichen der gebräuchlichsten Umlaufbahnen. Je mehr die Rakete von dieser Ideallinie in Richtung Süden oder Norden abweicht, desto weniger "Gratis-Energie" der Erde kann sie beim Start nutzen.

Ein Weltraumbahnhof sollte sich in einem politisch stabilen Staat befinden, da sein Aufbau mit großen Investitionen verbunden ist. Er sollte abseits von dicht besiedeltem Gebiet liegen und in östlicher Richtung einen Ozean oder ein sehr dünn besiedeltes Gebiet haben. Denn alle Raketenstarts für äquatorparallele Umlaufbahnen ihrer Nutzlast erfolgen mit der Erdrotation (aus oben genanntem Grunde) in östlicher Richtung. Wenn es zu einem Fehlstart kommt, könnten Menschen durch niederstürzende Trümmer und Treibstoffe gefährdet werden. Schließlich sollten genügend Erweiterungsflächen verfügbar sein.

Beispiel: Russische Kosmodrome
Nicht alle gebauten Weltraumbahnhöfe genügen diesen Kriterien. Besonders die russischen Kosmodrome sind durch ihre sehr weit nördliche Lage benachteiligt, da für orbitale Manöver zur Zielumlaufbahn mehr Treibstoff aufgewendet werden muss.

Beispiel: Kourou
Der europäische Weltraumbahnhof Kourou besitzt von ähnlichen Einrichtungen weltweit die günstigste Lage. Er liegt im französischen Übersee-Departement Französisch-Guayana im Norden Südamerikas (politisch stabil) und liegt sehr dicht am Äquator (günstige Starteigenschaften). Die Region ist sehr dünn besiedelt und grenzt im Nordosten an den Atlantik (geringe Gefährdung für Menschen). Da der Weltraumbahnhof direkt an ein ausgedehntes Waldgebiet grenzt, ist auch sein Ausbau problemlos möglich. Zudem besteht kein Wirbelsturm- oder Erdbebenrisiko.

Karte der Weltraumbahnhöfe Karte der Weltraumbahnhöfe Quelle: Wikipedia

Liste der Weltraumbahnhöfe (Name, Standort, Betreiber)

  • Alcântara, Brasilien
  • Baikonyr, Kasachstan, Russland
  • Cape Canaveral Air Force Station, Cape Canaveral, Florida, USA
  • Centre Spatial Guyanais, Kourou / Französisch-Guayana, Europa/ESA
  • Jiuquan, China
  • Kapustin Yar, Nähe Wolgograd, Russland
  • Kennedy Space Center, Cape Canaveral, Florida, USA
  • Kodiak Launch Center, Kodiak-Insel / Alaska / USA, Alaska Aerospace Development Corporation
  • Palmachim, Israel
  • Plesetsk, Russland
  • San-Marco-Plattform
  • Satish Dhawan Space Centre (SHAR), Indien
  • Sea-Launch-Plattform, nahe Hawaii / USA, internationales Konsortium
  • Swobodny, Russland
  • Taiyuan, China
  • Tanegashima Space Center, Tanegashima, Japan
  • Uchinoura Space Center, Uchinoura, Präfektur Kagoshima, Japan
  • Vandenberg Air Force Base, Kalifornien, USA
  • Wallops Island, USA
  • Xichang, China
Weltraumlageerfassung

Engl. Space Situational Awareness (SSA); der Name eines Programms der europäischen Weltraumbehörde ESA zur Überwachung des Weltraums. Damit soll unter anderem ein Netzwerk für Europa implementiert werden, das unabhängig von Daten des US-Programms Space Surveillance System ist.

Das Programm umfasst drei Hauptarbeitsgebiete:

  • Das Auffinden und die Bahnverfolgung künstlicher Objekte, die die Erde umkreisen (aktive Satelliten und Weltraumschrott).
  • Die Überwachung der aus den Tiefen des Alls und der Sonne kommenden hochenergetischen Strahlungen, die für zahlreiche Weltraumwetterphänomene verantwortlich sind.
  • Die Beobachtung von erdnahen Objekten, „Near Earth Objects“ – von Asteroiden, Meteoriten und Kometen – die mit der Erde kollidieren könnten.

Das Hauptziel von Space Situational Awareness ist die Schaffung eigener leistungsfähiger Überwachungskapazitäten, um Europas Zugang zum Weltraum und die Sicherheit seiner Satelliten zu gewährleisten. Denn noch ist Europa bei der Beschaffung wichtiger Daten von Institutionen anderer Länder abhängig. Das trifft vor allem auf die Überwachung des Weltraumschrotts zu. Hier müssen die europäischen Experten hauptsächlich auf Daten des amerikanischen Space Surveillance Network zugreifen.

The SSA programme is enabling Europe to detect hazards to critical space infrastructure. This artist's impression illustrates how radars, telescopes and networks on the ground can work in unison to detect space hazards including debris in orbit, harmful space weather and near-Earth objects.

The SSA programme is enabling Europe to detect hazards to critical space and ground infrastructure. This artist's impression illustrates the three main 'segments', or areas of activity, for SSA: space surveillance and tracking of debris objects (SST), detection of space weather (SWE) and searching for near-Earth objects (NEOs).

ESA's Optical Ground Station (OGS) is located at the Observatorio del Teide on Tenerife, and is situated at an altitude of 2393 metres.

Zu größerer Darstellung Grafiken (links und Mitte) anklicken
Quelle: http://www.esa.int/SPECIALS/SSA/SEMZGB9U7TG_1.html

Neben optischen Teleskopen sind für die Erfassung der kleinen Schrottobjekte auch leistungsfähige Radaranlagen nötig, über die Europa noch nicht verfügt. Deshalb hat das spanische Unternehmen Indra Espacio im Rahmen des Vorläuferprogramms vor Kurzem den Auftrag erhalten, das Testmodell eines derartigen Radars zu bauen. An der Entwicklung und Realisierung ist auch das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) aus Wachtberg bei Bonn beteiligt. Dort sind bereits vielfältige Erfahrungen auf diesem Gebiet vorhanden. Das Tira-Radar des FHR kann mit seiner 34-Meter-Antenne bereits heute zentimetergenaue Details eines Satelliten in der Umlaufbahn erkennen.

Bei allen eigenen Aktivitäten soll aber auch in Zukunft die internationale Kooperation mit anderen Diensten wie der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA, USA) oder dem Space Weather Prediction Center (SWPC, USA) ausgebaut werden.

Weitere Informationen: ESA - Space situational awareness

Weltraummüll

Syn. Weltraumschrott, Raumfahrtschrott; engl. space debris, space junk; alle vom Menschen hinterlassenen funktionslosen Objekte im Weltraum. Der bisherige Schrott entstand durch die rund 4900 Starts, die seit Beginn des Raumfahrtzeitalters bis 2012 durchgeführt wurden. Nach amerikanischen und europäischen Schätzungen vom Jahr 2012 umkreisen mehr als 23 000 Objekte von einer Größe von mehr als 5-10 cm die Erde mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 25 000 km/h.

Die bekanntesten Beiträge zum Weltraummüll bestehen aus ausgedienten Satelliten, ausgebrannten Oberstufen, missionsbedingten Objekten (abgesprengte Haltebolzen, von Astronauten verlorenes Werkzeug) und Trümmern von unbeabsichtigten und beabsichtigten Kollisionen sowie von Explosionen von Satelliten oder Raketen-Oberstufen. Nicht zu vernachlässigen sind die meist kleinen Fragmente, die von Antisatellitenwaffen-Tests herrühren. So brachte der chinesische Test einer Antisatellitenwaffe am 10. Februar 2007, bei dem ein ausgedienter chinesischer Satellit zerstört wurde, mehr als 3300 katalogisierte Fragmente hervor, die größer als zehn Zentimeter sind. Die entstandene Anzahl noch kleinerer Teilchen ist wesentlich größer und kann nur geschätzt werden.

Für den Großteil der verzeichneten Weltraumtrümmer sind ca. 240 orbitale Explosionen und bis zu zehn bekannte Kollisionen verantwortlich. Zum Beispiel zerbarst 1994 die Oberstufe einer Pegasusrakete in 703 Trümmerstücke. Manche Objekte werden absichtlich gesprengt, bei anderen detoniert an Bord verbliebener Resttreibstoff. Auslöser können Entladungen von Batterien der Satelliten sein.

Im Februar 2009 kollidierten erstmals zwei Satelliten im Weltraum (Iridium 33 und Kosmos 2.251), was zu weiteren mehr als 2200 Fragmenten, die größer als zehn Zentimeter sind, sowie eine nicht genau erfassbare Zahl noch kleinerer Teile führte.

Ferner emittieren Feststofftriebwerke beim Abbrennen mikrometergroße Partikel aus Aluminiumoxid. 16 nuklear betriebene sowjetische Spionagesatelliten vom Typ Rorsat hinterließen radioaktiven Weltraumschrott. Nach Ende ihrer Mission wurden die Reaktorkerne abgesprengt, wobei das Kühlmittel – eine Natrium-Verbindung – freigesetzt wurde und große Tropfen bildete. Von Satelliten abgeplatzte Farbe sind eine weitere Quelle für Weltraummüll.

Das Risikopotential des Weltraummülls besteht in der hohen kinetischen Energie, welche infolge der hohen Geschwindigkeiten, die bei Kollisionen auftreten können, freigesetzt wird. Unterhalb von 2.000 km Höhe beträgt die durchschnittliche Kollisionsgeschwindigkeit etwa 36.000 km/h. Ein grundsätzliches Risiko für Raumfahrzeuge geht von Objekten aus, die größer als ein Millimeter sind, da sie etwa ab dieser Größe eine Satellitenstruktur beschädigen können. Ein besonderes Risiko geht von Objekten aus, die größer als ein Zentimeter sind, da sie im Falle einer Kollision ein Raumfahrzeug zerstören können. Sie durchschlagen jede Struktur, auch wenn diese zum Schutz mit Mehrfachwänden umgeben ist. Objekte größer als 1 cm sind nicht mehr abschirmbar. Ein Objekt von einem Zentimeter Größe setzt im Falle einer Kollision mit einer Satellitenstruktur etwa die Energie einer Handgranate frei. Diese Objekte beinhalten auch deshalb ein Risikopotential, weil es nicht möglich ist, sie vollständig zu beobachten. Denn die Umlaufbahnen von Objekten kleiner als 10 Zentimeter sind unbekannt. Eine mögliche Kollision mit einem Raumfahrzeug kann nicht vorhergesehen werden.

Eher ins Reich der Kuriositäten gehören einige wenige Werkzeuge, die Astronauten bei Weltraumausstiegen verloren haben. Solche herumvagabundierenden Geräte könnten allerdings der Raumstation ISS gefährlich werden, wenn ihre Umlaufbahn sich so verändert, dass sie sich mit hoher Geschwindigkeit der Station nähern.

Glücklicherweise werden die meisten Fragmente nach wenigen Tagen, Wochen oder Monaten in der Erdatmosphäre vernichtet, da die dünnen oberen Schichten sie langsam abbremsen, bis sie in Richtung Erdoberfläche stürzen. Durch den Luftwiderstand mit den Teilchen der Atmosphäre verglühen sie schließlich. Teile von großen Objekten wie Oberstufen oder sehr große Satelliten werden dabei nicht immer vollständig zum Verglühen gebracht und können durchaus auf der Erdoberfläche aufschlagen. Zuletzt passierte das beim Absturz des amerikanischen Satelliten UARS (Upper Atmosphere Research Satellite) Ende September 2011, als Fragmente des omnibusgroßen Satelliten über dem Pazifik niedergingen.

Trotz dieser „heißen“ Entsorgung in der Atmosphäre nimmt die Anzahl von Müllteilen in der Umgebung der Erde ständig zu. Und damit wird die Raumfahrt zunehmend gefährdet. So musste die Internationale Raumstation ISS bereits mehrmals Objekten, die sich ihr bedrohlich näherten, durch geringfügige Bahnänderungen ausweichen.

Mit der Zunahme von Satelliten, die sich auf hohen Umlaufbahnen zwischen 1.000 und 20.000 Kilometern oder auf der geostationären Bahn in 36.000 Kilometern Höhe befinden, steigt inzwischen die Anzahl langlebiger Fragmente, die Jahrzehnte oder noch länger unseren Heimatplaneten umkreisen werden.

Um laufende und künftige Missionen vor den gefährlichen Debris zu schützen sowie Müllvermeidungsstrategien entwickeln zu können, muss zunächst der Istzustand erfasst werden, um daraus Prognosen für die weitere Entwicklung ableiten zu können. Das wird derzeit vor allem vom US Space Surveillance Network (US SSN) übernommen. Die Organisation gibt regelmäßig einen Katalog mit den Bahnelementen der erfassten Objekte heraus. Offen zugänglich ist jedoch nur ein Teil der Daten, denn militärische Dienststellen haben kein Interesse daran, dass Bahndaten einiger geheimer Militärsatelliten bekannt werden. Russland betreibt ein ähnliches System und auch die ESA wird im Rahmen des europäischen Space Situational Awareness Programms ihre Aktivitäten auf diesem Gebiet ausbauen, in dem sie eine geeignete Infrastruktur zur Beobachtung schafft.

Die wachsende Population von Weltraummüll stellt eine wachsende Gefahr für wirtschaftlich und wissenschaftlich unverzichtbare orbitale Regionen dar. Die heutige Satelliteninfrastruktur bringt Bürgern und der weltweiten Wirtschaft tägliche Vorteile und hat auch darüber hinaus einen unermesslichen Wert. Die Wiederbeschaffungskosten der circa 1000 aktiven Satelliten in der Erdumlaufbahn werden auf eine Höhe von knapp 100 Milliarden € geschätzt.

Obwohl die Maßnahmen gegen die weitere Entstehung von Weltraummüll sowie die aktive Entfernung von ausgedienten Satelliten aus den Umlaufbahnen technologisch anspruchsvoll und potenziell kostspielig sind, gibt es keine andere Möglichkeit, das Weltall als wertvolle Ressource für unsere kritische Satelliteninfrastruktur zu schützen. Die direkten Kosten von Satelliten und die Kosten, die mit ihrem möglichen Verlust entstehen, sind weitaus höher, als die Kosten der Abhilfemaßnahmen.

Bei der Beseitigung von Weltraummüll handelt es sich um ein Umweltproblem auf globaler Ebene, welches in einem internationalen Kontext, einschließlich der UN-Gremien, angegangen werden muss. Noch ist es jedem Land ist es selbst überlassen, wie es mit seinem Weltraummüll umgeht. Verbindliche Abkommen gibt es nicht, entsprechend auch keinen Umweltschutz im All. Laut dem Weltraumschrott-Experten Prof. Dr. Walter Flury von der ESOC (European Space Operations Centre) in Darmstadt " ist die beste Technik nutzlos, bis die UNO einen Verhaltenskodex verabschiedet. Denn das Aufräumen im All beginnt auf der Erde".

Quellen und Senken von Weltraummüll


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Quelle: ESA

Weitere Informationen:

Weltraumrecht

Internationale Rechtsordnung für den Weltraum, initiiert von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (VN) 1959 mit der Schaffung eines ständigen Ausschusses (COPUOS), der sich auch mit der Ausarbeitung einer internationalen Rechtsordnung für den Weltraum befassen sollte.
Die erste und grundlegende völkerrechtliche Vereinbarung des Weltraumrechts ist der Weltraumvertrag von 1967, dem derzeit 98 Staaten, darunter auch Deutschland, angehören. Er legt Grundsätze fest, die die Weltraumaktivitäten von Staaten regeln. Danach ist der Erwerb von Hoheitsrechten an Teilen des Weltraums, am Mond und an anderen Himmelskörpern ausgeschlossen (Art. II). Für den Weltraum wird eine weitgehende Freiheit der Forschung und der wirtschaftlichen Nutzung gewährt, die allerdings nicht schrankenlos gilt, sondern zum Vorteil und im Interesse aller Länder ungeachtet ihres wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungsstandes wahrzunehmen ist. Denn die Erforschung und Nutzung soll Sache der gesamten Menschheit sein ("province of all mankind", Art. I). Eine weitere Einschränkung dieser Freiheiten ist die friedliche Nutzung des Weltraums (Art. IV), die für den Mond und die anderen Himmelskörper umfassend gilt (d.h. keine Stützpunkte, keine Waffen, keine militärischen Übungen), für den übrigen Weltraum hingegen nur teilweise (keine Kern- oder Massenvernichtungswaffen). Ob Waffensysteme, die nur einen Teil der Flugstrecke im Weltraum zurücklegen, um zu ihrem Ziel zu gelangen (ballistische Raketen mit Nuklearsprengkörpern oder militärische Aufklärungssatelliten) erlaubt sind, ist zwischen den Vertragsstaaten umstritten. Die Grenze zwischen Luft- und Weltraum selbst wird nicht definiert.

Der Weltraumvertrag legt auch die Haftung für Schäden durch Weltraumaktivitäten fest (Art.VII). Staaten, die einen Weltraumgegenstand in den Weltraum starten, starten lassen oder ihr Territorium oder ihre Anlagen für Starts zur Verfügung stellen, haften grundsätzlich unbegrenzt für Körper- und Sachschäden, die ein solcher Gegenstand auf der Erde, im Luftraum oder im Weltraum verursacht, wenn diese auf fahrlässigem Handeln beruhen (vgl. auch Weltraumhaftungsübereinkommen).

Der Weltraumvertrag enthält ferner Bestimmungen zur Vermeidung von schädlichen Verunreinigungen des Weltraums. Allerdings haben sie in ihrer gegenwärtigen Fassung wenig praktische Bedeutung erlangt.

Die technische Entwicklung der Weltraumfahrt und die damit verbundenen Gefahren hat die Ausarbeitung von Verträgen zur Ergänzung und Konkretisierung des Weltraumvertrages veranlasst. Dazu gehören:

  • das Weltraumrettungsübereinkommen (1968) zur Gewährung von Hilfe an in Not geratene Raumfahrer und zur Rückgabe von in den Weltraum gestarteten Gegenständen
  • das Weltraumhaftungsübereinkommen (1972) zur Sicherstellung angemessenen Schadensersatzes für durch Weltraumgegenstände verursachte Schäden
  • das Weltraumregistrierungsübereinkommen (1975) zur Erleichterung der Identifizierung von in den Weltraum gestarteten Gegenständen
  • der Mondvertrag (1979) mit speziellen Regelungen über die Nutzung des Monds und der eventuellen Ausbeutung seiner Naturschätze. Diesen Vertrag haben wegen umstrittener Regelungen nur 11 Staaten ratifiziert. Er ist daher praktisch bedeutungslos.

Für einige Probleme der Nutzung des Weltraums gibt es bisher unter den VN-Mitgliedern keinen Konsens, ob und inwieweit eine rechtliche Regelung erfolgen soll. Deshalb wurden zunächst nur rechtlich nicht verbindliche Prinzipienkataloge ausgearbeitet, die als VN-Resolution angenommen wurden.

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Weltraumwetter

Engl. 'Space Weather'; Bezeichnung für das komplexe Wechselspiel zwischen Phänomenen auf der Sonne, im interplanetaren Raum sowie in der Erdmagnetosphäre und -ionosphäre.

Weltraumwetter Weltraumwetter Quelle: http://www.grazinspace.oeaw.ac.at/2004/penz.html

Gewaltige Eruptionen auf der Sonne, verbunden mit Ionenstürmen verursachen verschiedene Effekte, die starken Einfluss auf den erdnahen Weltraum und selbst auf die Erdoberfläche haben. Etwa acht Minuten nach einem Ausbruch erreichen Röntgen- und UV-Strahlung die Erde, die zu Änderungen der Elektronendichte in der Ionosphäre (elektrisch leitfähige Gashülle um die Erde ab einer Höhe von ca. 60 km) führen. Sie können deshalb Kurzwellenübertragungen unterbrechen und Navigationssysteme stören. Nach einigen Stunden gelangen solare Protonen und andere energetische Teilchen zur Erde, die Raumschiffe und Satelliten beschädigen sowie die Gesundheit von Astronauten gefährden können. Die Signalqualität von Satelliten kann verschlechtert oder sogar völlig gestört werden.

Nach einigen Tagen trifft die ausgestoßene Plasmablase und das in ihr eingebettete Magnetfeld auf das Erdmagnetfeld, was in weiterer Folge das Polarlicht verursachen und Schäden an Stromleitungen und Pipelines hervorrufen kann. Ferner führen diese Prozesse zu einer Ausdehnung der Atmosphäre, was Einfluss auf Satellitenbahnen hat. Außerdem beeinflussen hochenergetische solare Teilchen die terrestrische Biosphäre, wo sie Mutationen bei Zellstrukturen bewirken.

Ein Ionosphärenwetterdienst soll dazu beitragen, Genauigkeit und Zuverlässigkeit satellitengestützter Kommunikations- und Navigationssysteme auch angesichts gigantischer Explosionen auf der Sonne zu gewährleisten, vor allem im Hinblick auf das im Aufbau befindliche zivile europäische Navigationssystem Galileo.

Veränderung in der Ionosphäre der Nordpolregion
während der Sonnenstürme am 30. Oktober 2003 Veränderung in der Ionosphäre der Nordpolregion während der Sonnenstürme am 30. Oktober 2003
Elektronendichteverteilung
in der oberen Ionosphäre Anfang November 2003 Elektronendichteverteilung in der oberen Ionosphäre Anfang November 2003

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Quelle: http://bilddb.rb.kp.dlr.de/deutsch/rubrik.asp?qryRubrik=2

Weitere Informationen:

wetness index

Aus multispektralen Fernerkundungsdaten zu gewinnender Indikator zur Beschreibung des Wassergehaltes von Vegetationsflächen unterschiedlicher Dichte und mit unterschiedlichen Bodenanteilen. Ähnlich dem Vegetationsindex kann eine Kombination relevanter Spektralbänder operationeller Sensorsysteme, z.B. Landsat-TM, ein Feuchtemaß darstellen. Das Ausmaß an Reflexion im kurzwelligen (mittleren) Infrarot ist eng mit dem Wassergehalt der reflektierenden Vegetations- und Bodenflächen verbunden. Absorptionsmaxima durch Wassermoleküle liegen in Spektralbereichen von ca. 1,45 mm und 1,95 mm. Die in den benachbarten Wellenlängenintervallen von 1,55-1,75 mm und 2,08-2,35 mm aufnehmenden Kanäle 5 und 7 des Sensorsystems Landsat-TM eignen sich demzufolge für eine Charakterisierung der Feuchte. In Gegenüberstellung mit dem Reflexionsausmaß im nahen Infrarot (Landsat-TM, Kanal 4), das im Falle von reflektierender Vegetation maßgeblich von der Struktur des Blattmesophylls beeinflußt wird, ergibt sich ein Index TM4/TM5. Die Nutzung dieses Index ist jedoch nur bedingt möglich, da er weder ein verläßliches Maß für die absolute Feuchte noch für die relative Feuchte (Wasserkonzentration) darstellt.

In der Radar-Fernerkundung werden durch Scatterometer aufgenommene Datensätze in zunehmendem Maße dazu verwendet, Aussagen über die Bodenfeuchte der in Abhängigkeit des genutzten Frequenzbereiches erfaßbaren obersten Bodenschichten zu gewinnen.

Wetterballon

Syn.Radiosonde; luftgetragene Plattform zur Erstellung eines Vertikalprofils der die Atmosphäre charakterisierenden Parameter (Temperatur, Druck, Feuchte). Dazu misst die Radiosonde, die an einer Schnur unter dem Ballon befestigt ist, alle paar Sekunden diese Parameter und sendet sie an einem Empfangsstation am Boden. Durch die horizontale Verdriftung des Ballons erhält man zudem eine Information über die Windverteilung in der Atmosphäre. Moderne Sonden übermitteln ihre jeweilige Position automatisch durch GPS-Sender. Früher konnte man die Ballone nur bei gutem Wetter manuell mit Theodolithen verfolgen.
Ein Wetterballon kann eine Höhe von 20–30 km erreichen und dehnt sich dabei wegen des mit zunehmender Höhe nachlassenden Luftdrucks auf einen Durchmesser von über zwölf Metern aus, bevor er platzt und die Sonde mit einem Fallschirm zum Boden zurückkehrt. Der Ballon besteht meist aus Gummi und hat ein Eigengewicht von lediglich etwa 200 Gramm. Gefüllt wird er normalerweise mit Helium oder Wasserstoff. Letzterer ist im Gegensatz zum raren und teuren Helium billig und leicht verfügbar, das Problem der Entflammbarkeit wird bei den erforderlichen Mengen als beherrschbares Risiko eingeschätzt.
Die Sonde wird am Wetterballon befestigt.Sie muss einen genügend großen Abstand zum Wetterballon haben, um nicht in seinem Windschatten aufzusteigen. Da sich der Ballon ausdehnt würde der Windschatten so groß werden, dass die Verfälschungen der Messergebnisse enorm wären.
Die Haut des Wetterballons ist sehr empfindlich und fein, so dass sie nur mit Schutzhandschuhen berührt werden darf. Selbst minimale Beschädigungen, die am Boden folgenlos bleiben, können in großer Höhe bei zunehmend gespannter Haut zum vorzeitigen Platzen des Ballons führen.
Wenn ein Wetterballon in der Nacht startet und kurz vor Sonnenaufgang auf seiner maximalen Höhe ist, kann man ihn auch bei einer Höhe von 30 Kilometer mit freiem Auge sehen, da er sich bereits extrem ausgedehnt hat und schon von der Sonne beleuchtet wird, wobei man selbst noch im Dunkeln steht.

Wetterballon mit Bodenstation

Links: Wetterballon mit Bodenstation

Rechts: Start eines Wetterballons mit Reflektor und Sensorik

Weather balloons are launched around the world for observations used to diagnose current conditions as well as by human forecasters and computer models for weather forecasting. About 800 locations around the globe do routine releases, twice daily, usually at 0000 UTC and 1200 UTC.

Some facilities will also do occasional supplementary "special" releases when meteorologists determine there is a need for additional data between the 12 hour routine launches in which time much can change in the atmosphere. Military and civilian government meteorological agencies such as the National Weather Service in the US typically launch balloons, and by international agreements almost all the data is shared with all nations.

Quellen: Top-Wetter.de / Planet Wissen

 
Wetterradar

Aktives Fernerkundungsverfahren in der Meteorologie vorwiegend zur Ortung und Intensitätsmessung von Niederschlägen. Als Doppler-Radar kann es auch zur Windmessung eingesetzt werden.

Ein Wetterradar besteht aus einer Antenneneinheit einschließlich Radom (Wetterschutz), einem Sender und einem Empfänger, Signal- und Datenverarbeitungsprozessoren, einem Radarrechner sowie einem lokalen Netzwerk mit den erforderlichen Fernmeldeanschlüssen für die Datenabgabe und für Fernzugriffsmöglichkeiten bei der Systemüberwachung.

Das Wetterrader gilt als klassisches Instrument zur flächenmäßigen Erfassung von Niederschlag. Das Radar erlaubt eine hohe räumliche Auflösung (typischerweise 1x1 km²) und eine häufige Messung (typischerweise alle 5 min). Es ist daher bestens geeignet, herannahende Niederschlagsgebiete zu erfassen und kurzfristig vor Starkniederschlägen zu warnen.

Beim Wetterradar wird elektromagnetische Strahlung von einer gerichteten Parabolantenne in die Atmosphäre ausgesandt. Es handelt sich dabei um einen auf ca. 1° gebündelten, energiereichen Puls mit einer Wellenlänge von 3 bis 10 cm. Der Puls trifft dabei auf die in einer Wolke vorhandenen Niederschlagsteilchen, die Hydrometeore (Regentropfen, Eiskristalle, Hagelkörner). Diese Teilchen streuen die Radarstrahlung, und ein Teil davon gelangt durch die Rückstreuung wieder in die Antenne und zwar in der Zeit zwischen den ausgesandten Energieimpulsen. Die aufgefangene Rückstrahlung, das Radarecho, ist sehr schwach und muss deshalb verstärkt werden. Das Zeitintervall zwischen den ausgesandten Impulsen und den dazugehörigen Echos entspricht jener Zeit, die der Impuls braucht, um die doppelte Entfernung (hin und zurück) zu den streuenden Hydrometeoren zurückzulegen. Da sich die Radarstrahlung mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet, kann die Distanz vom Radar zu den Partikeln berechnet werden.

Die Echostärke (Radarreflektivität) wird hauptsächlich von der Größe der Hydrometeore bestimmt, mit abnehmender Größe verliert das Echo rasch an Stärke. Bei den üblichen Wellenlängen der Wetterradargeräte geben die Wolkentröpfchen noch kein Radarecho, sie sind zu klein. Dagegen streuen die Regentropfen (>0,1 mm Ø), d.h. Niederschlag, der aus der Wolke ausfällt, die Radarstrahlen stark. Auch ist das Echo stärker, je mehr Tropfen sich im Radarstrahl befinden. Wasser streut stärker als Eis. Wassertropfen geben somit ein stärkeres Radarecho als "trockene" Graupeln gleicher Größe. Sehr starke Reflexe kommen auch von schmelzenden Schneeflocken, die mit einer Wasserhaut überzogen sind. Ebenfalls sehr stark ist der Reflex an Hagelkörnern. Das Verfahren eignet sich somit zur Hagelwarnung bei sommerlichen Gewittern.

Wetterradar - Prinzip (Animation) Wetterradar - Prinzip (Animation)

Wetterradare senden Pulse im Mikrowellenbereich, d.h. die Wellenlänge liegt im Bereich von 1 bis 10 cm. Ziel ist, dass die Wellenlänge ein wenig grösser als die grössten zu beobachtenden Teilchen ist (ideale Streueigenschaften). Es wird jeweils ein Puls von ca. 1 Mikrosekunde Dauer gesendet, dann wird sofort in den Empfangsmodus umgeschaltet, d.h. der Sender bleibt für ca. 1 Millisekunde stumm und hört Echos ab. Nach dieser Millisekunde sollten keine Echos mehr eintreffen und der nächste Puls kann gesendet werden.

Zur Animation auf Bild klicken

Quelle: ETHZ - IAC
 

Neben der Intensität der rückgestreuten Signale erfassen die Radaranlagen über die Dopplerverschiebung auch die mittlere radiale Geschwindigkeit der Niederschlagsteilchen. Ein Dopplerfilterverfahren entfernt die sogenannten 'Clutter'. Clutter sind Festechos, die durch hohe Gebäude oder Hügel verursacht werden.

Nach der Digitalisierung der Signale verarbeiten der Signalprozessor und der Radarrechner die Daten weiter. Der Radarrechner steuert und überwacht auch das gesamte System.

Bedingt durch die Physik der Streuung der Radarstrahlung an Regentropfen ist der Zusammenhang zwischen Radarrückstreusignal (Reflektivität) und am Boden ankommende Regenrate nicht eindeutig; der Fehler bei der Niederschlagsmessung mit einem konventionellen Wetterradar kann deshalb unter Umständen recht hoch sein. Mit einem polarimetrischen Wetterradar (z.B. POLDIRAD in Oberpfaffenhofen) können aber mehrere unabhängige Variablen des Niederschlags erfasst werden. Die Regenrate kann dann genauer und ohne zusätzliche Korrekturen bestimmt werden.

Wetterradarbild Wetterradarbild Quelle: http://www.meteoradar.ch/de/

Neben der Erfassung von Niederschlag mit dessen Qualität, Quantität und dessen räumlicher Anordnung werden mit speziellen Windradargeräten (Windprofiler) auch Windgeschwindigkeiten und -richtungen erfasst. Diese besitzen Wellenlängen von ca. 1 m.

Weitere Informationen:

Wettersatellit

Bezeichnung für Satelliten in polarer oder äquatorialer Umlaufbahn,

  • die durch ihre Daten die vom Boden geführten meteorologischen Beobachtungen ergänzen und so zur Erfüllung der Aufgaben der Wetterdienste und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) beitragen (meteorologisches Satellitensystem) oder
  • die der meteorologischen und klimatologischen Forschung dienen,
  • sowie der technologischen Weiterentwicklung von Wettersatelliten.

Die meteorologische Fernerkundung blieb bis zum Start des ersten speziell für die Wetterbeobachtung konzipierten Satelliten Tiros 1 im Jahre 1960 im Wesentlichen auf erdgebundene Radarsysteme und den gelegentlichen Einsatz von Flugzeugen beschränkt. Dabei handelte es sich immer um räumlich begrenzte Beobachtungen aus mehr oder weniger erdgebundener Sicht.

Erst der Einsatz von Wettersatelliten liefert permanent und weltumspannend Daten und Bilder über die Wolkenverteilung und Wolkenarten, die Bewegung und Zugbahnen der Wolken, die Windbewegungen, die Strahlungstemperaturen, die Schnee- und Eisbedeckung, die Oberflächentemperatur der Wasser- und Landflächen sowie den Zustand der Atmosphäre (u.a. Luftdruck, Niederschläge, Ozongehalt, Luftverschmutzung, Temperatur- und Feuchtigkeitsprofile). Neben den wichtigen Klimaelementen, die zur Wettervorhersage nötig sind, informieren die Satelliten auch über den Zustand der Waldgebiete, Ernte- und Weideflächen, Überschwemmungsgebiete, Meeresströmungen, Eisberge und über Vulkanausbrüche.

The WMO Global Observing System

The present global observation system is comprised of instruments classified
by the WMO as:

  • Class 1 instruments, which measure in situ at a point; they occupy a small volume of the phenomena being measured (e.g., air temperature measured by ground station thermometer).
  • Class 2 instruments, which measure area-averaged or volume-averaged variables remotely (e.g., temperature derived from satellite radiance or precipitation derived from radar reflectivity).
  • Class 3 instruments, which measure wind velocity from tracking physical targets and their
    observed displacement with time (e.g., sondes tracked by Global Positioning Satellites or
    wind velocity derived from tracking cloud elements in satellite images).

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Quelle: UCAR

Wettersatelliten tragen als Nutzlast bildaufnehmende Sensoren (Radiometer). Sie messen die Strahlung in verschiedenen Spektralbändern, hauptsächlich im sichtbaren und infraroten Bereich. Ferner sind sie mit Fernsehkameras, Strahlungsmessgeräten und atmosphärischen Soundern (passive Sensoren, die Höhenprofillinien von Druck, Temperatur oder Spurengaskonzentrationen in der Atmosphäre erfassen) ausgestattet. Zusätzlich sind Einrichtungen zur Kommunikation an Bord, z.B. zum Empfang von Wettermeldungen von automatischen Wetterstationen und zur Austrahlung der aufgenommenen Wettersatellitenbilder.

Die Radiometer liefern primär Wolkenaufnahmen, die durch ein automatisches Bildübertragungssystem (APT-System: Automatic Picture Transmission) praktisch ohne zeitliche Verzögerung von geeignet ausgerüsteten Bodenstationen empfangen werden können. Auch während der Nacht lässt sich die Bewölkung durch Messung der Infrarotstrahlung der Wolkenoberflächen beobachten. Die gemessene Strahlungsemission kann in Temperaturwerte umgerechnet werden, aus denen sich die Höhe der verschiedenen Wolkenschichten ableiten lässt. Aus Sequenzen halbstündiger Bilder von geostationären Satelliten lassen sich auch aus der Wolkenverlagerung Informationen über das globale Windfeld gewinnen. Aus Strahlungsmessungen in verschiedenen Wellenlängenbereichen, z.B. Absorptionsmessungen im Bereich der Kohlendioxid- und Ozon-Bande kann die Temperatur in verschiedenen Höhen der Atmosphäre berechnet werden. Strahlungsmessungen geben auch über die Feuchtigkeit (Wasserdampfverteilung) in der (oberen) Atmosphäre Aufschluss. Die Temperatur des Erdbodens und der Meeresoberfläche kann durch die im Infrarot und Mikrowellenbereich gemessene Strahlung bestimmt werden.

Vergleich der Eigenschaften von geostationären
und
polarumlaufenden Satelliten

 

 

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Quelle: UCAR

Nach Umlaufbahncharakteristik lassen sich zwei Gruppen von Wettersatelliten unterscheiden:

  • Eine Gruppe von Wettersatelliten umkreist die Erde auf polaren Umlaufbahnen in circa 800 bis 1.200 Kilometer Höhe, dabei passieren die Trabanten jeweils einen bestimmten Ort täglich zur gleichen Zeit (z.B. TIROS). Diese Satelliten beobachten immer die sonnenbeschienene Seite der Erde und erfassen sie streifenweise. Die Bahn wird daher auch sonnensynchron genannt. Da sie für einen Umlauf etwa 100 min benötigen, umfliegen sie in 24 Stunden etwa 14mal die Erde. An einer Empfangsstation in mittleren Breiten sind sie daher jeweils 3- bis 4mal nacheinander aufzunehmen, bevor sie etwa 12 Stunden später erneut in den Empfangsbereich kommen. In 24 Stunden werden so die meteorologischen Stationen auf der Erde mit einer kompletten Aufnahme der Erdoberfläche beliefert.
  • Eine zweite Gruppe befindet sich auf verschiedenen Positionen in geostationärer Umlaufbahn befinden. Da ein geostationärer Satellit nur ca. 2/5 der Erdoberläche abdeckt, ist ein internationaler Verbund von Satelliten notwendig. Sie fliegen in der Äquatorebene in rund 36.000 Kilometer Höhe, wo die Umlaufzeit genau 24 h beträgt. Damit steht der einzelne Satellit immer über einem bestimmten Punkt der Erde (erdsynchrone Bahn), und er tastet stets das jeweils gleiche Drittel der Erdoberfläche ab (z.B. METEOSAT). Die räumliche Auflösung liegt im Kilometerbereich (ca. 1 bis 5 km im Subsatellitenpunkt). Trotz unterschiedlichster Bezeichnungen und Herkunft sind sie ähnlich im Aufbau.
Quelle: http://apollo.lsc.vsc.edu/classes/remote/lecture_notes/satellite/platforms/index.html

Die geostationären Satelliten bieten im Vergleich zu den polarumlaufenden viel häufigere Messungen. Allerdings erfassen sie die Polargebiete nördlich bzw. südlich der 70. Breitengrade nicht mehr, auch wird die Auflösung zu den Polen und Bildrändern hin immer schlechter. In den Polargebieten werden diese Messungen jedoch von den polaren Satelliten in idealer Weise ergänzt: Da sie bei jedem Umlauf das Polargebiet beobachten, erfolgt auch dort eine nahezu lückenlose Überwachung.

Die stetige Erfassung desselben Bildausschnittes bei jeder Aufnahme von geostationären Satelliten erlaubt die Herstellung von Satellitenfilmen, sog. Loops. Sämtliche auch aus den Medien bekannte (Wetter-) Satellitenfilme stammen von geostationären Satelliten.

Nach den Aufgabenstellungen von Wettersatelliten wird unterschieden zwischen

  1. operationellen Satelliten ('Arbeitssatelliten') mit ihrem kontinuierlichen Datenstrom, dazu gehört die Satelliten-Serie der NOAA, die GOES-Serie und die Meteosat-Serie und
  2. Forschungs- und Entwicklungssatelliten, wie Nimbus, ATS (Application Technology Satellite), ACRIMSat, die vorläufig gescheiterte CryoSat-Mission für klimatologische Aufgabenstellungen oder der künftige ADM-Aeolus zur Vermessung von Windfeldern.

Globales System der operationellen Wettersatelliten


Geostationary and polar-orbiting satellite contributors to the global operational satellite observation system, shown as satellite icons orbiting around Earth. Updated 10 November, 2011



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Quelle: UCAR

Als Vorteile von Satellitenbeobachtungen gegenüber anderen meteorologischen Mess- und Beobachtungssystemen gelten:

  • weltweit lückenlose und flächendeckende Erfassung des Systems Erdoberfläche/Atmosphäre
  • Ermittlung von vertikalen Gradienten verschiedener Größen, beispielsweise der Temperatur, vor allem über Ozeanen und anderen Arealen ohne bzw. mit wenig Bodenmessungen
  • zeitlich nahezu kontinuierliche Überwachung mit geostationären Satelliten (hohe Wiederholrate)
  • einheitliches Beobachtungssystem und damit vergleichbarere Daten
  • hoher Grad an Automatisierung mit relativ geringem Aufwand erreichbar
  • obenseitige Erfassung meteorologischer Parameter, z.B. von Wolken, als Ergänzung zu den konventionellen Beobachtungen
  • direkte Erfassbarkeit von schwer zu messenden Parametern und Prozessen wie Turbulenz und Strömungsenergie
  • homogene Darstellung großräumiger Strukturen, wie z.B. Wirbelstürme
  • sehr rasche Verfügbarkeit der Daten, da in digitaler Form vorliegend und damit unmittelbar per Computer verarbeitbar, auswertbar und rasch verbreitbar
  • Gewinnung einzelner Parameter ausschließlich mit Satelliten möglich (für die Klimaüberwachung wichtige Strahlungsflüsse am Oberrand der Atmosphäre)
Webseiten mit Online Wettersatellitenbildern
Operationelle Wettersatelliten
GOES METEOSAT
Interactive Weather Information EUMETSAT
NOAA/NESDIS ZAMG, Austria
US Navy Research Laboratory, Monterey KMI, Belgium
University of Wisconsin METEO France
Special events INM, Spain
RAMSDIS Image Display Station Nottingham University
Global Hydrology and Climate Center University of Ulm
Florida State University NOAA
GOMS FY-2
SRC Planeta National Satellite Meteorological Center
INSAT GMS-5
Indian Meteorological Department Hokudai Himawari Server
Forschungs- und Entwicklungssatelliten
TRMM ENVISAT
Quelle: http://www.wmo.ch/web/sat/imagery.html

Weitere Informationen:

Wettersatellitenbild

Bildhafte Darstellung der Messungen von Wettersatelliten im optischen Spektralbereich. Die seit Jahrzehnten eingesetzten Wettersatellitenbilder eignen sich hervorragend für die Diagnose und Analyse des Wetterzustandes, weil sie einen globalen, aus dem Weltraum gerichteten Überblick ermöglichen.

Mit Satellitenaufnahmen können neben der Verlagerung der Wolkenelemente die Wolkenoberflächentemperaturen aus den Graustufen von Infrarot-Aufnahmen bestimmt werden, was der Niederschlagsprognose dient. Daneben werden solche für Analyse und Vorhersage wichtigen Phänomene wie Lage und Eigenschaften der Strahlströme, Wirbelentstehungsprozesse, Fronten, Konvektionszellen u.a. diagnostiziert. Wolkenanalyse und -klassifikation werden mittels multispektraler Aufnahmen durchgeführt.

Eine Sonderform stellen die ebenfalls zu den ältesten Anwendungen der Fernerkundung gehörenden Thermalbilder dar, sie sowohl flugzeug- als auch satellitenbasiert erstellt werden können.

Satellitenbilder für Mitteleuropa stammen vorwiegend von den geostationären Satelliten der METEOSAT-Serie, der in ca. 37.000 km Höhe über dem Schnittpunkt des Äquators mit dem Nullmeridian steht und in der neuesten Version alle 15 min Bilder liefert. Die Zeit, die im Satellitenbild eingeblendet ist, ist UTC Zeit (Universal Time Coordinated), die der Greenwich Zeit (GMT: Greenwich Mean Time) entspricht. Diese unterscheidet sich von der jeweiligen Lokalzeit (in Mitteleuropa ist es z.B. bereits eine Stunde, während der Sommerzeit zwei Stunden später).

Die wiedergegeben Bilder sind sogenannte IR-Bilder, die die Infrarotstrahlung (IR) zeigen; das ist jene Strahlung, die Erde und Wolken aufgrund ihrer Temperatur aussenden und die im Satellitenbild entsprechend ihrer Intensität in Graustufen umgesetzt wird. In der üblichen Darstellung von Satellitenbildern stellen graue bis weiße Gebiete kalte Temperaturen und somit Bewölkung mit unterschiedlich warmen Obergrenzen dar, graue bis schwarze Gebiete jedoch warme Temperaturen und somit wolkenfreies Land oder Meer. An vielen Wetterdiensten wurden davon abweichende Darstellungen des Satellitenbildes entwickelt, die eine leichtere Interpretation ermöglichen. Die hier enthaltenen Bilder stellen die Bewölkung in weißen, wolkenfreies Land in braunen und wolkenfreies Meer in blauen Farbtönen dar. Tiefere, also wärmere Wolken über Land oder Meer erscheinen in helleren Farbstufen des jeweiligen Untergrundes.

IR-Bilder haben gegenüber den bekannten VIS(visible)-Bildern, die den Bereich der sichtbaren Sonnenstrahlung wiedergeben, den Vorteil, daß sie rund um die Uhr erstellbar sind, also auch in der Nacht, in der es keine Sonnenstrahlung und daher keine VIS-Bilder gibt.

Die Graustufen (bzw. Farbtöne) in einem IR-Bild sind ein Werkzeug für die Erkennung und Diagnose typischer Wolkensysteme. Ein bekanntes Beispiel für warme Wolkenobergrenzen ist Nebel, hingegen kann man für kalte Wolkenobergrenzen (weiß) Gewitterwolken, Wetterfronten und hohe Cirruswolken (Schleierwolken) anführen. Die Erwärmung des wolkenfreien Landes durch die Sonneneinstrahlung im Laufe eines Tages erkennt man ebenfalls in den IR-Bildern durch das Dunklerwerden der Brauntöne etwa bis zum frühen Nachmittag, was insbesondere in den Mittelmeerländern und Nordafrika leicht beobachtbar ist.

Neben den Graustufen sind Konfiguration und Musterung der Bewölkung ebenso wichtige Unterscheidungsmerkmale. So erkennt man lange und breite Wolkenbänder, die häufig Wetterfronten begleiten, Wolkenspiralen, welche Tiefdruckwirbel anzeigen und große Gebiete, meist in der Kaltluft auf der Rückseite der Wetterfronten, die mit kleinen Wolkenzellen erfüllt sind; letztere bilden sich, wenn die kalte Luft über einen warmen Untergrund strömt.

Weitere Informationen:

WFC

Engl. Akronym für Wide Field Camera

Wiederholzyklus

Festgelegte Anzahl von Tagen, nach denen die Bahnspur eines Satelliten erneut überflogen wird. Der Wiederholzyklus bestimmt die zeitliche Auflösung.

Wiensches Verschiebungsgesetz

Engl. Wien's displacement law; nach Wilhelm Carl Werner Wien (1864-1928) benanntes Strahlungsgesetz, das die Berechnung der Wellenlänge des Strahlungsmaximums λmax der abstrahlenden Oberfläche ermöglicht. Das Wiensche Verschiebungsgesetz zeigt, dass diese Wellenlänge mit steigender Temperatur immer kleiner wird (Plancksches Strahlungsgesetz):

Formel zum Wienschen Verschiebungsgesetz


mit
η = konst. = 2,898 µm K, T = absolute Temperatur der strahlenden Oberfläche.

 

Das nach Wilhelm Wien benannte Wiensche Verschiebungsgesetz gibt an, bei welcher Wellenlänge bzw. Frequenz ein nach dem planckschen Strahlungsgesetz strahlender schwarzer Körper je nach seiner Temperatur die größte Strahlungsleistung oder die größte Photonenrate abgibt.

The figure illustrates the classical Wien's Displacement Law, which reveals the spectral power distribution of filaments heated to various temperatures (shown by the different curves in Kelvins, K). It will be observed that the higher the filament temperature the greater the amount of energy it radiates, represented by the area under each curve.  The dashed line indicates a general trend that the hotter the filament, the further its peak emission wavelength is shifted from the infrared towards the visible region.
Quelle: LAMPTECH

 

Das Wiensche Verschiebungsgesetz findet in der Fernerkundung z.B. bei der Bestimmung von Oberflächentemperaturen im Rahmen von Wärmehaushaltsuntersuchungen oder mikroklimatischen Analysen Anwendung.
Die maximale Strahldichte der Sonne liegt bei ca. 0,5 µm. Mit dem Wienschen Verschiebungsgesetz erhält man die Oberflächentemperatur der Sonne: TSonne = 2898/0.5 = 5800 K. Andererseits weist die Erdoberfläche eine Temperatur von etwa 300 K auf. Nach dem Wienschen Verschiebungsgesetz erhält man die Wellenlänge, mit der die Erde am stärksten strahlt: λmax = 2898/300 = 9.7 µm.

Für die Geofernerkundung ist nur der reflektierte und emittierte Anteil der Erdoberfläche nutzbar. Diese Strahldichte ist wesentlich geringer als die der Sonne. Der emittierte Anteil liegt im Mittel bei 275 K (~ 1°C) und erreicht seine maximalen Strahlungsdichte bei etwa 10.000 nm (thermales IR). Daraus folgt, daß bei der Fernerkundung der Erde im VIS und IR (bis 2500 nm) ausschließlich reflektierte Sonnenstrahlung zur Verfügung steht, im thermalen IR (8000-15000 nm) die Eigenstrahlung der untersuchten Objekte.

Windprofiler

Bodengebundene Fernerkundungsverfahren zur Messung der Windgeschwindigkeit und Windrichtung (Windprofile) in hoher zeitlicher Folge (60 min) auf Radarbasis. Windprofiler arbeiten mit Wellenlängen von 1 m, das entspricht Frequenzen von einigen 100 Mhz bis 1 Ghz. In diesem Frequenzbereich findet keine Absorption durch Wasser- und Regentropfen statt, wodurch die Messungen durch Wolken und Regen nicht gestört werden.

Am häufigsten kommen derzeit gepulste Radargeräte, die nach dem Verfahren des so genannten "Doppler Beam Swinging" arbeiten, zum Einsatz. Bei diesem Verfahren werden in mindestens drei bzw. auch fünf verschiedenen Strahlrichtungen elektromagnetische Impulse ausgesandt, die an turbulenten Inhomogenitäten des Brechungsindexfeldes der Atmosphäre gestreut werden. Die rückgestreuten Wellen erfahren dabei in Abhängigkeit von der durch den Wind bestimmten Bewegung der turbulenten Strukturen eine Frequenzverschiebung (Dopplereffekt), so dass aus der Analyse des rückgestreuten Signals die radiale Windgeschwindigkeit für jede Strahlrichtung ermittelt werden kann.
Durch Kombination der Radialgeschwindigkeiten von drei oder fünf Strahlrichtungen kann schließlich der dreidimensionale Windvektor berechnet werden. Die erforderliche Höhenzuordnung ergibt sich aus der Laufzeit des elektromagnetischen Signals.
Der vertikale Messbereich, insbesondere die maximal erreichbare Messhöhe wird in erster Linie durch die Betriebsfrequenz der Systeme vorgegeben und variiert zwischen 0,2 und 3 km (Grenzschichtwindprofiler) bzw. 0,5 und 16 km (Troposphärenwindprofiler). Allerdings liegt die Höhenauflösung wegen der hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit nur bei ca. 100 m.

Windprofiler-Radargeräte können mit Schallquellen zu einem Radio-Akustischen-Sondierungs-System (RASS) zur Messung der Temperatur ergänzt werden. Die ausgesandten akustischen Wellen erzeugen künstliche Inhomogenitäten im Brechungsindexfeld, die sich mit Schallgeschwindigkeit ausbreiten. Durch das Windprofiler-Radar lässt sich nun, analog zur Messung des Radialwindes, die Schallgeschwindigkeit bestimmen und aus dem physikalischen Zusammenhang zwischen Schallgeschwindigkeit und Temperatur das vertikale Temperaturprofil ableiten.
Die vertikale Reichweite ist hierbei auf Grund der starken Schwächung der akustischen Signale jedoch deutlich geringer als bei der Windmessung. Je nach System werden im allgemeinen Messhöhen von 0,2 - 1 km (Grenzschichtwindprofiler) bzw. 0,5 - 4 km (Troposhärenwindprofiler) erreicht.

Troposphären-Windprofiler Troposphären-Windprofiler Quelle: http://www.dwd.de/de/FundE/Observator/MOL/mol1/aktiv/TWP15.htm

Windprofiler vermögen die für den Flugverkehr gefährlichen Scherwinde beim Landeanflug sowie CAT-Bereiche (Clear Air Turbulence, starke Turbulenz in der Nähe der Strahlströme, nicht mit Wolkenbildung verbunden, daher für das Auge nicht erkennbar) in der oberen Troposphäre zu erfassen. Auch nächtens ziehende Zugvogelschwärme werden erfasst und beeinträchtigen die Messung. Die Genauigkeit von Windprofilern entspricht der von Radiosonden.

Auf Grund der unbemannten und von den meteorologischen Bedingungen nahezu unabhängigen Messungen avancieren Windprofiler weltweit zu einer wichtigen Komponente im aerologischen Messnetz.

Weitere Informationen:

Windscatterometer

Aktives Mikrowellengerät, das über mehrere Antennen (meistens 3) mit unterschiedlichen Blickrichtungen zur Flugrichtung die Wasseroberfläche mit Radarpulsen bestrahlt und dann die rückgestreute Radarintensität, eine Funktion der kurzskaligen Rauhigkeit der Wasseroberfläche und damit der Windgeschwindigkeit, misst. Auf den europäischen Fernerkundungssatelliten ERS-1 und -2 befindet sich ein solches Windscatterometer, das in Auflösungszellen von 50 x 50 km in einem 500 km breiten Streifen rechts zur Satellitenlaufbahn die Windgeschwindigkeit in Betrag und Richtung misst. Auch der künftige METOP besitzt mit ASCAT ein Windscatterometer.

WOCE

Engl. Akronym für World Ocean Circulation Experiment, das zwischen 1990 und 1998 von 30 Staaten durchgeführte Weltozean-Zirkulationsexperiment; mit seinen bislang nicht vorgenommenen in-situ- und Satellitenbeobachtungen der Weltmeere bildete es das maritime Kernvorhaben des Weltklimaforschungsprogramms (WCRP) mit den Zielen

  • ein besseres Verständnis wichtiger physikalischer Prozesse zu erreichen und damit
  • Ozeanmodelle zur Vorhersage von Klimaentwicklungen zu entwerfen und durch globale Meßdaten zu überprüfen sowie
  • Konzepte zur Überwachung des Langzeitverhaltens der Ozeane zu erstellen, um klimarelevante Variationen der Ozeanzirkulation erkennen und aufzeichnen zu können.

Zur Erfüllung dieser Forderungen wurden ein umfangreiches globales Meßprogramm entworfen sowie international koordinierte Modellentwicklungen und numerische Experimente vorgenommen.

Die Hauptziele des WOCE wurden im wesentlichen erreicht. Darüber hinaus wurden nicht vorhergesehene Prozesse im Periodenbereich von Jahren bis zu Jahrzehnten neu entdeckt. Die dafür verantwortlichen Mechanismen müssen allerdings noch aufgeklärt werden. Diese Aufgabe bildet den Kern des Vorhabens "Climate Variability und Predictability" (CLIVAR) innerhalb des Weltklimaforschungsprogramms. Dabei wird u.a. angestrebt, während der kommenden Dekade hinreichende Grundlagen für kurz- (< 1 Jahr) und mittelfristige (einige Jahre bis Dekaden) Klimavorhersagen zu schaffen.

Weitere Informationen: WOCE - Startseite (NOAA, NODC)

Wolken

Sichtbares Produkt der Kondensation bzw. Deposition von Wasserdampf in der Atmosphäre. Sie bilden sich als Ansammlung von kleinen, teils unterkühlten Wassertröpfchen (Wasserwolken), von Eiskristallen (Eiswolken) oder beidem (Mischwolken), deren Tropfenfallgeschwindigkeit so gering ist, dass sie in der Schwebe gehalten werden. Die Höhe, bei der Kondensation bzw. Deposition eintritt, bezeichnet man als Wolkenbasis oder Wolkenuntergrenze. Diese wird heute in der Regel mit einem Ceilometer bestimmt.
Für die meisten Klimaregionen sind bestimmte Wolkenarten charakteristisch. Sie sind typische Kennzeichen der jeweiligen Wetterlage und Vorzeichen für die künftige Wetterentwicklung. Um die Beobachtung von Wolken international vergleichbar zu machen, hat man schon früh ein einheitliches Klassifikationssystem entwickelt (Howardsche Wolkenklassen).

Wolkenteilchen (Wolkentropfen oder Eiskristalle) entstehen durch Abkühlung feuchter Luft aufgrund von Hebung oder Mischung verschieden feuchter Luftmassen bis Kondensation bzw. Deposition eintritt. Initiale Wolkenteilchen entstehen in der Atmosphäre durch die Anlagerung von Wasserdampf an Kondensationskernen oder Gefrierkernen. Der Gesamtwasser- bzw. Eisgehalt einer Wolke ist von der Lufttemperatur, dem verfügbaren Wasserdampf und der Hebungsgeschwindigkeit abhängig (Wassergehalt der Wolken).
Wolken stellen bei der Bildung von Niederschlag aus Wasserdampf eine entscheidende Zwischenstufe im Wasserkreislauf dar.

Mit einem globalen Bedeckungsgrad von ca. 66% spielen Wolken im gesamten Energiehaushalt der Erde eine wichtige Rolle. Über den Albedo- und Treibhauseffekt modulieren Wolken den Strahlungshaushalt der Erde (Cloud Forcing). Durch Prozesse wie Verdunstung und Kondensation und den damit einhergehenden Transporten von Frischwasser und latenter Wärme spielen Wolken im globalen Wasserkreislauf und Wärmehaushalt eine zentrale Rolle. Die von den Wolken freigesetzte Kondensationswärme beeinflusst die atmosphärischen Zirkulationszellen, die wiederum mit dem Ozean wechselwirken (z. B. ENSO). Wolken wirken als Teil des Klimasystems somit auf dieses ein, werden aber auch umgekehrt vom Klima und seinen Veränderungen beeinflusst.

Quelle: http://www.carleton.edu/departments/geol/DaveSTELLA/climate/climate_modeling_1.htm

Wolken prägen entscheidend die Strahlungsbilanz der Erde. Durch ihr hohes Reflexionsvermögen im solaren Spektralbereich wird solare Strahlung zu einem Teil direkt in den Weltraum zurückgestreut und steht damit dem System Erdboden und Atmosphäre nicht mehr zur Verfügung (Albedoeffekt). Im terrestrischen Spektralbereich verhalten sich Wolken nahezu wie ein Schwarzer Körper. Die vom Erdboden nach oben gerichtete terrestrische Strahlung wird von den Wolken absorbiert, gleichzeitig emittieren die Wolken selbst langwellige Gegenstrahlung entsprechend der Temperatur der Wolkenuntergrenze in Richtung Erdboden. An der Wolkenobergrenze wird ebenfalls langwellige Strahlung in Richtung Weltall emittiert. Wolken tragen damit sowohl zur Abkühlung bzw. Erwärmung des Bodens und der Atmosphäre bei. Das Ergebnis der Bilanzierung beider Effekte hängt von der Höhe der Wolken, ihrer Dicke und ihren Strahlungseigenschaften ab. Diese wiederum werden von der Verteilung des Wasserdampfes, von den Wassertropfen und Eispartikeln sowie von den atmosphärischen Aerosolen beeinflusst.

Hohe, dünne Zirruswolken führen zu einer Nettoerwärmung des gesamten Systems. Ihre geringe optische Dicke bedingt eine hohe Transmissivität für die einfallende Solarstrahlung (geringer Albedoeffekt). Im langwelligen Spektralbereich sind sie stark absorbierend und emittieren dem Gesetz von Kirchhoff folgend terrestrische Strahlung. Aufgrund ihrer Lage in großer Höhe weisen sie niedrige Temperaturen sowohl an ihrer Unterseite als auch an ihrer Oberseite auf. Daher ist die zum Boden gerichtete Gegenstrahlung vergleichsweise gering. Auch die nach oben gerichtete Ausstrahlung ist verglichen mit dem wolkenlosen Fall klein (hoher Treibhauseffekt). Die Bilanz beider Effekte führt zu einer Nettoerwärmung.

Tiefe, dicke Wolke tragen zu einer Abkühlung bei. Diese Wolken haben nur eine geringe Transmissivität für die kurzwellige Einstrahlung (hoher Albedoeffekt), sind aber verhältnismäßig warm und strahlen somit im langwelligen Spektralbereich viel Energie aus (geringer Treibhauseffekt), was in der Summe zu einer Abkühlung führt. In der globalen Bilanz beider Effekte, Abkühlung und Erwärmung, liegen sie nah beieinander, insgesamt überwiegt allerdings der Effekt der Abkühlung.

Obwohl die Wolken so wichtig für das Klima und dessen Verständnis sind, ist die Kenntnis ihrer Eigenschaften noch gering. Auch deshalb stellt der IPCC-Bericht von 2001 (Stocker et al., 2001) fest, dass Wolken weiterhin die größte Quelle an Unsicherheit bei der korrekten Beschreibung des Klimas sind.

Weitere Informationen:

Wolken und Fernerkundung

Wolken beeinflussen maßgeblich die Energiebilanz und damit das Klima der Erde. Der genaue quantitative Einfluss der Wolken auf das Klima ist mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, was auch zu Unsicherheiten in heutigen Klimamodellen führt. Wolken sind ein Vehikel im hydrologischen Zyklus, transportieren Wasser und bringen Niederschlag. Sie sind räumlich und zeitlich sehr variabel, weshalb die Satellitenfernerkundung das beste Instrumentarium zur großflächigen bis globalen Erfassung von Wolkeneigenschaften bereit stellt.
Die Fernerkundung von Wolken ist für die Meteorologie und die Klimaforschung von herausragender Bedeutung.

Die ersten meteorologischen Satelliten hatten fast ausschließlich die Aufgabe, eine flächendeckende und globale Übersicht über die Verteilung und auch Bewegung von Wolkensystemen zu geben. Die Lage von Wetterfronten konnte so unter anderem besser analysiert werden. Die quantitative Analyse von Wolkeneigenschaften war allerdings zunächst nicht oder kaum möglich. Mit der technischen Entwicklung wuchsen Bedeutung und Möglichkeiten der Fernerkundungssysteme und heute sind die Methoden zur physikalischen Analyse von Wolken vom Erdorbit aus dank komplexer Sensorik recht umfangreich. Dabei kommen fast ausschließlich optische Systeme in Frage. Der Mikrowellen-Fernerkundung sind lediglich makroskopische Hydro- und Kryometeore in Wolken, also der flüssige und feste Niederschlag zugänglich.

Von Karman-Wirbel vor der chilenischen Küste

Two small islands had a big impact on the skies over the Pacific Ocean in January 2013, creating paisley patterns that stretched 280 kilometers. The Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) on NASA’s Terra satellite captured this natural-color image on January 13, 2013.

The Juan Fernandez Islands are located roughly 800 kilometers off the Chilean coast. The biggest of these—Isla Alejandro (Alexander) Selkirk and Isla Robinson Crusoe—are volcanic islands situated along an east-west-trending submarine ridge. Each island boasts a tall summit. With an area of 52 square kilometers, Isla Alejandro Selkirk reaches an altitude of 1,650 meters above sea level. Slightly smaller, Isla Robinson Crusoe has a total area of 48 square kilometers, and reaches an altitude of 922 meters.

The islands are tall enough to disturb air flow over the ocean. When an object such as an island interferes with the movement of air, von Karman vortices form in the air on the downwind (or leeward) side of the island. Also known as vortex streets, they are double rows of spiral eddies that are made visible by the clouds.

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Quelle: NASA
 

Alle Nutzer von satellitengestützten optischen Fernerkundungsdaten müssen sich auf die eine oder andere Weise mit Wolken beschäftigen. In der Meteorologie und Klimaforschung ist man direkt an physikalischen Wolkenparametern interessiert, aber auch Eigenschaften der Erdoberfläche oder die Konzentration von atmosphärischen Spurengasen wie Ozon sind von Interesse, wobei Wolken stören. Wolken spielen also insofern eine Doppelrolle, als sie entweder Objekt des Interesses oder aber Störquellen sind. Viele Wolkenparameter können nur vernünftig aus vollständig und nicht nur teilweise bewölkten Messungen (gemessen werden Strahldichten) abgeleitet werden. Für die Berechnung vieler Oberflächenparameter dagegen braucht man sicher wolkenfreie Strahldichten. Bei Sensoren mit sehr grober räumlicher Auflösung müssen allerdings auch die Wolkenparameter meist aus teilbewölkten Strahldichten abgeleitet werden, da der Anteil der eindeutig bewölkten und auch der eindeutig wolkenfreien Messungen mit abnehmender Auflösung immer kleiner wird.

Die Analyse von Satellitendaten hinsichtlich Wolken gliedert sich daher in der Praxis in zwei Phasen. In der ersten Phase, dem so genannten „cloud clearing“ werden die Einzelsignale auf ihre Kontamination mit Wolken sowie deren Umgebung auf die räumliche Verteilung der Bewölkung hin überprüft. Diese Wolkenidentifikation enthält auch zum Beispiel die mitunter schwierige Unterscheidung von Wolken gegenüber Schnee oder direktem Sonnenreflex, also gegenüber Objekten, die zumindest in einem spektralen Bereich ähnliche Eigenschaften wie Wolken aufweisen können. Durch das „cloud clearing“ werden die Wolken einerseits als Störquellen möglichst vollständig erfasst, andererseits ist diese erste Phase wegen der dabei erzielten Vorklassifikation des Bewölkungsstatus die Voraussetzung für die Ableitung von physikalischen Parametern von Wolken, der Erdoberfläche oder der übrigen Atmosphäre. In der zweiten Phase werden dann Methoden zur quantitativen Ableitung der physikalischen Parameter unter Berücksichtigung des jeweiligen Bewölkungsstatus angewandt.

Weitere Informationen:

Wolkenradar

System zur Bestimmung von Wolkenparametern wie Unter- und Obergrenze, Tropfengrößenverteilung, Flüssig- und Eiswassergehalt mittels Radarstrahlung. Ein Wolkenradar sendet gebündelt elektromagnetische Wellen, die an Objekten in der Atmosphäre gestreut werden. Ein kleiner Teil der sich in alle Richtungen ausbreitenden Streusignale kehrt zum Radar zurück und wird dort empfangen. Aus der Laufzeit des Echos und der Richtung des Radarstrahls kann der Ort des streuenden Objekts ermittelt werden.
Das Wolkenradar ist ein gepulstes, kohärentes und in zwei Polarisationsebenen arbeitendes 35.5 GHz-Radarsystem zur Messung von Vertikalprofilen der Reflektivität, der Dopplergeschwindigkeit und der Geschwindigkeitsvarianz im Höhenbereich von 150 m bis 15 km.
Zur Beobachtung von Wolken mit Radar werden Wellenlängen im Millimeterbereich verwendet. Für längere Wellen, z.B. im Zentimeterbereich, sind Wolken praktisch transparent und damit unsichtbar. Kürzere Wellen (z.B. im optischen Bereich) werden dagegen von Wolken stark gedämpft, so dass keine Information aus dem Inneren einer Wolke erhalten werden. Im Millimeterbereich können Wolken noch durchdrungen werden, aber ein messbarer Anteil der Sendeleistung wird zum Radar zurückgestreut.
Das Wolkenradar kann so mehrere übereinander liegende Wolkenschichten erfassen. Ein herkömmliches Wetter-(Niederschlags-)Radar, das im Zentimeterbereich arbeitet, kann dagegen nur Niederschlagsteilchen (> 0,1 mm Durchmesser), nicht jedoch Wolkentröpfchen detektieren.
Die hohe räumliche und zeitliche Auflösung von Radardaten erlaubt es auch, die räumliche und zeitliche Dynamik atmosphärischer Systeme zu beobachten und zu analysieren. Moderne Radarsysteme besitzen die Fähigkeit, auch das atmosphärische Windfeld durch die Dopplerverschiebung des Radarsignals zu erfassen. Neben der Messung der Radialkomponente des Windes, genauer der Verlagerungsgeschwindigkeit von atmosphärschen Streuelementen, kann man unter bestimmten Annahmen auch das dreidimensionale Horizontalwindfeld ableiten (volume velocity processing, VVP).
Die angesprochenen atmosphärischen Systeme sind in der Regel mit Wolken und Niederschlag verbunden. Einzelne Phänomene (Böenfronten, Tornados) äußern sich auch in spezifischen Reflektivitäts- und Windmustern, ohne dass damit eine starke Wolkenbildung einhergeht.
Wolkenradare sind inzwischen wichtiger Bestandteil von Ankerstationen, da nur hiermit Mehrschichtwolken zuverlässig erfasst werden können. Zunehmend werden nicht nur vertikal blickende sondern auch steuerbare Antennen zur Volumenrepräsentation von Wolken verwendet. Für Forschungszwecke werden Wolkenradare auch an Bord spezieller Messflugzeuge eingesetzt. Schließlich wird zur globalen Erfassung von Wolken bereits seit einigen Jahren ein Radar auf dem NASA-Satelliten (CloudSat) betrieben und weitere internationale Satellitenmissionen mit Wolkenradaren sind in der Planung (z.B. EarthCare).
Wolkenradare spielen eine große Rolle bei der Erforschung des Einflusses von Wolken auf das Klima. Dieser Einfluss drückt sich aus zum einen in der Rolle, die Wolken im Strahlungstransfer durch die Erdatmosphäre spielen und zum anderen, da sie eine wichtige Verbindung im Wasserkreislauf der Erde sind.

Weitere Informationen:

Wolkenscheinwerfer

Gerät zur Messung der Wolkenhöhe, wobei ein Scheinwerfer senkrecht nach oben strahlt und an der Wolkenuntergrenze einen Lichtfleck bildet. Als Wolkenhöhe wurde der hellste Punkt des Lichtkegels auf der Wolkenbasis angesehen. Er wird vom Boden aus mittels Pendelquadranten anvisiert. Aus der horizontaler Entfernung zwischen Beobachter und Wolkenscheinwerfer (meist 200 m) und dem gemessenen Winkel wird die Höhe der Wolkenuntergrenze berechnet. Heute sind Wolkenscheinwerfer weitgehend durch Ceilometer oder Ceilographen ersetzt.

Wolkentemperatur

Die Angabe der Wolkentemperatur ist abhängig von der Art der Messung. Gewöhnlich erfolgt die Temperaturmessung nicht in situ, sondern mit Fernerkundungsverfahren. Zusätzlich sind die Wolken uneinheitlich temperiert: gewöhnlich kälter an der Obergrenze und wärmer and der Untergrenze. Folglich sind die Werte für Wolken, deren Temperatur vom Weltall aus gemessen wird, gewöhnlich niedriger, als die, die vom Boden aus gemessen werden.

Weitere Informationen: Clouds on Infrared Imagery

Wolkenuntergrenze

Syn. Wolkenbasis; die Höhe des tiefsten Punktes einer Wolke über dem Erdboden. Sie wird in Metern über Grund gemessen. Die genaue Beobachtung und Vorhersage der Höhe der Wolkenuntergrenze ist speziell für den Sichflugverkehr besonders wichtig. Die Höhe kann mittels Wolkenscheinwerfer (veraltet) oder Ceilometer (Laufzeitmessung eines Licht- oder Radarimpulses) gemessen werden; in den Bergen ist die Bestimmung der ungefähren Höhe an bekannten Punkten der Topographie möglich. Auch aus der Steigzeit von Pilotballonen kann die Wolkenuntergrenze bestimmt werden, wenn die Steiggeschwindigkeit bekannt ist. Die Basis von Cumulus-Wolken kann auch aus der Taupunktsdifferenz bestimmt werden.
In der internationalen Luftfahrt wird die Wolkenuntergrenze in Fuß (ft) angegeben: 100ft = 30,5m. Neben der Sichtweite ist die Höhe der Wolkenuntergrenze auch für den Instrumentenflug ein wichtiges flugmeteorologisches Element. Sie ist entscheidend dafür, ob ein Start bzw. eine Landung und damit ein Flug überhaupt möglich sind. Die Wolkenuntergrenze ist in ihrer Struktur sehr unterschiedlich; es können auch kurzzeitig größere Schwankungen auftreten. Tiefliegender Stratus oder Hochnebel hat meist eine diffuse Untergrenze. Cumulus hingegen haben eine glatte Untergrenze (=Kondensationsniveau); ihre Höhe weist nur Schwankungen im Tagesgang auf. Bei stärkerem und anhaltenden Niederschlag bilden sich unter der Wolke durch Verdunstung der fallenden Regentropfen Wolkenfetzen (stratus fractus) mit einem Bedeckungsgrad von 4 bis 7/8 und schwankenden Untergrenzen. Der Tagesgang der Höhe der CU-Wolkenuntergrenze hängt von der Jahreszeit (Ausmaß der Einstrahlung) und der Stabilität der Schichtung ab. Das Ansteigen der CU-Basis über die Mittagszeit ist auf die Vergrößerung der Taupunktsdifferenz (Spread) infolge der Erwärmung durch die Sonneneinstrahlung zurückzuführen. Nachts tritt der gegegenteilige Effekt auf: Die nächtliche Abkühlung infolge Ausstrahlung verringert den Spread, die Basis sinkt ab.

World Climate Research Programme (WCRP)

Von internationalen Organisationen getragenes Programm zur Erforschung des Weltklimas. Die in diesem Rahmen ablaufenden Studien befassen sich auch mit den Einzelkomponenten des Klimasystems Atmosphäre, Ozeane, Kryosphäre, Landoberfläche. Fernerkundung liefert hierzu wesentliche Beiträge.

Weitere Informationen:

World Data Center for Remote Sensing of the Atmosphere (WDC-RSAT)

Beim Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) des DLR angesiedeltes Zentrum für Fernerkundungsdaten der Atmosphäre. Vorrangiges Ziel des WDC-RSAT ist die Bereitstellung von Daten und Informationen aus vorwiegend satellitenbasierten Messungen über atmosphärische Spurengase, Wolken und die Erdoberfläche.

Weitere Informationen: WDC-RSAT (DLR)

WorldDEMTM

Von DLR und Astrium GEO-Information Services erstellter globaler Datensatz zur Generierung von Höhenmodellen mit bisher nie dagewesener Qualität, Genauigkeit und Abdeckung, der ab 2014 für die gesamte Landmasse der Erde zur Verfügung stehen wird - von Pol zu Pol. Die Präzision des WorldDEM™ wird die jedes anderen heute verfügbaren satellitenbasierten Höhenmodells (z.B. den SRTM-DTM) übertreffen und die folgenden einzigartigen Eigenschaften aufweisen:

Vulkan Tunupa und Salzsee Salar de Uyuni, Bolivien

Durch seine Genauigkeit, Qualität und Abdeckung stellt das WorldDEM™ einen Quantensprung im Bereich der digitalen Höhenmodelle (DHM) dar. Die einzigartige Genauigkeit dieses Datensatzes übertrifft alle derzeit verfügbaren satellitenbasierten Höhenmodelle. Das WorldDEM™ wird daher den 10 Jahre alten SRTM Datensatz ablösen.

Das Beispiel-DHM links wurde auf Grundlage einer ersten Erfassung durch TerraSAR-X und TanDEM-X im bi-statischen Modus erstellt. DEs ist daher nur ein vorläufiges DHM, das durch die weitere Erfassungen optimiert wird. Diese erste Erfassung bietet jedoch bereits heute einen sehr vielversprechenden Ausblick auf die Qualität des finalen WorldDEM™, da dieser erste Überflug für Gebiete mit "einfachen" Geländeeigenschaften bereits jetzt ein Qualitätsniveau liefert, das dem der finalen Produktspezifikation sehr nahe kommt.

 

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Quelle: Astrium
 

Dazu bilden die deutschen hochauflösenden Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X zusammen ein hochpräzises Radarinterferometer im Weltall und erfassen die Datenbasis für ein globales homogenes Digitales Höhenmodell. Kunden aus Privatwirtschaft und öffentlicher Hand werden von einer Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten auf der Basis des WorldDEM™ Höhenmodells profitieren. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig und reichen von optimierten Basisdaten für Orthorektifizierungsverfahren und nationale Kartierungen über eine verbesserte Vorbereitung von Verteidigungs- und Sicherheitsmissionen und optimiertes Management von Öl- und Gasfeldern bis hin zu Luftfahrt- und Infrastrukturanwendungen.

Das WorldDEMTM unterstützt:

Weitere Informationen:

World Meteorological Organization Integrated Global Observing System (WMO-IOS)

Integriertes Wetterbeobachtungssystem der WMO, das Daten aus Weltraum, Atmosphäre, von Land und Ozean zusammenführt. Die Daten (in situ und FE) entstammen einer Vielzahl von Plattformen, die operationell oder für Forschungszwecke genutzt werden.

Weitere Informationen:

WorldView-1

Kommerzieller Erdbeobachtungssatellit der Firma Ball Aerospace (USA). Er wurde am 18. September 2007 von der Vandenberg Air Force Base mit einer Delta-II-Rakete gestartet.

WorldView-1 liefert aus einer Höhe von 496 km panchromatische Bilder in einer Auflösung von 0,5 m. Zusätzlich ist der dreiachsenstabilisierte Satellit und die Datenauswertung darauf ausgelegt, Änderungen in einem Gebiet gegenüber vorherigen Aufnahmen bzw. Stereobilder einer Region aufzunehmen. Vertrieben werden die Bilder in Zusammenarbeit mit der Firma DigitalGlobe, welche mit Quickbird schon einen Satelliten für ähnliche Aufgaben betreibt.

Der im Oktober 2009 gestartete WorldView-2 verfügt zusätzlich über die Möglichkeit, multispektrale Bilder in acht Spektralbereichen mit einer Auflösung von 1,8 m aufzunehmen.

Weitere Informationen: WorldView-1 (WorldView Global Alliance)

WorldView-2

Kommerzieller Erdbeobachtungssatellit der Firma Ball Aerospace (USA). Er wurde am 8. Oktober 2009 von der Vandenberg Air Force Base mit einer Delta-II-Rakete gestartet.

WorldView-2 liefert aus einer Höhe von 770 km Bilder in einer Auflösung von 0,5 m (panchromatisch) und im Multispektralmodus in acht Spektralbereichen mit einer Auflösung von 1,8 m.

Zusätzlich ist der dreiachsenstabilisierte Satellit und die Datenauswertung darauf ausgelegt, Änderungen in einem Gebiet gegenüber vorherigen Aufnahmen bzw. Stereobilder einer Region aufzunehmen. Vertrieben werden die Bilder in Zusammenarbeit mit der Firma DigitalGlobe, welche mit Quickbird und WorldView-1 bereits weitere Satelliten für ähnliche Aufgaben betreibt. Digital Globe ist seinerseits Teil der sogenannten WorldView Global Alliance, einer kommerziellen Partnerschaft zwischen den Unternehmen European Space Imaging (EUSI), Space Imaging Middle East und Digital Global. EUSI betreibt in Kooperation mit dem DLR die Empfangsanlage European Direct Access Facility (EDAF). Diese Anlage ermöglicht es Satellitenbildnutzern in Europa über eine direkte Datenverbindung kurzfristig aktuelle Aufnahmen von WorldView-1 und WorldView-2 zu bestellen.

Weitere Informationen:

WorldView-3

Nächster kommerzieller Satellit von DigitalGlobe und ITT Corporation, der wiederum von Ball Aerospace & Technologies Corp. gebaut wird. Er wird aus einer Höhe von voraussichtlich 617 km hochaufgelöste Satellitenbilder im Multispektralmodus (8 Bänder, 1,24 m), im panchromatischen Bereich (31 cm) und im kurzwelligen Infrarot (3,7 m) liefern. WorldView-3 hat eine durchschnittliche Wiederholrate von weniger als einem Tag und ist in der Lage bis zu 680.000 km² pro Tag abzudecken. Vorgesehen ist sein Start im Spätjahr 2014.

Weitere Informationen:

World View Global Alliance

Kommerzielle Partnerschaft zwischen den Unternehmen EUSI, Space Imaging Middle East und DigitalGlobe.

Weitere Informationen:

Wüstenstaub

Aerosole bestehend aus Mineralien aus ariden und semiariden Gebieten, die sowohl Sonnenlicht absorbieren, wie auch Sonnenlicht streuen. Durch die Absorption erwärmen die Partikel die Atmosphärenschichten, in denen sie sich befinden. Von dieser warmen Luft wird angenommen, dass sie die Bildung von Sturmwolken hemmt. Wüstenstaub ist auch eine Nährstoffquelle für viele weit entfernte Gebiete.

Weitere Informationen:

WWF und Fernerkundung

Der WWF (World Wide Fund For Nature, dt. "Welt-Naturstiftung"), ist die größte Naturschutzorganisation der Welt mit internationalem Betätigungsbereich.  Der WWF hat weltweit etwa 5 Mio Förderer, rund 4.000 Mitarbeiter in etwa 100 Ländern engagieren sich in über 1.300 Natur- und Umweltschutzprojekten.
Der WWF will der weltweiten Naturzerstörung Einhalt gebieten und eine Zukunft gestalten, in der Mensch und Natur in Harmonie leben. Der WWF setzt sich weltweit ein für:

  • die Erhaltung der biologischen Vielfalt der Erde,
  • die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen,
  • die Eindämmung von Umweltverschmutzung und schädlichem Konsumverhalten.

Bei dieser Arbeit ist der Einsatz von Fernerkundungsmethoden ein ideales Hilfsmittel, was die deutsche WWF auf ihrer Homepage ausführlich dokumentiert. Innovative Satellitenbilder und Geodaten helfen dem WWF um weltweit Ökosysteme und die biologische Vielfalt zu untersuchen, wobei eine Kooperation mit Luft- und Raumfahrtagenturen sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen praktiziert wird.

Aktuell liegen die Schwerpunkte des WWF im Bereich Fernerkundung in folgenden Bereichen:

Weitere Informationen:


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