Lexikon der Fernerkundung

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Vega

Neu entwickelte, relativ kleine Trägerrakete der ESA, ASI und CNES zum Transport von Satelliten in der Größe zwischen 300 und 2.000 kg für Zwecke der Wissenschaft und Erdbeobachtung. Der erste Start ist für 2007 in Kourou vorgesehen.

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VEGETATION

Bezeichnung für ein Programm mehrerer europäischer Raumfahrtagenturen zum Monitoring der Vegetationsbedeckung im täglichen Rhythmus auf regionaler und globaler Ebene sowie für ein diesbezügliches kleines Modul Bord des Satelliten Spot-4. Végétation arbeitet im optischen Bereich mit 4 Kanälen. Das Modul beobachtet die Erde mit zwei 250 km breiten Streifen und einer Auflösung von ca 1 km, wobei eine tägliche Abdeckung der Erdoberfläche gewährleistet ist. Végétation ist fähig, Tag für Tag den Zustand und die Entwicklung von Wäldern und vor allem Kulturpflanzen zu verfolgen und sehr präzise Prognosen für die Ernten, insbesondere die Getreideernten zu erstellen.

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Vegetation Canopy Lidar (VCL)

Satellitenmission der NASA und der University of Maryland zur Darstellung der dreidimensionalen Struktur der Wälder der Erde mit Hilfe aktiver laserinduzierter Beobachtung (Lidar). Im lokalen und regionalen Maßstab liefert VCL neue Messungen über das Alter und den Zustand von Waldökosystemen. In globalem Maßstab liefern VCL-Karten eine Inventur der Waldbiomasse und neue Messungen der Textur der Landbeckung. Die Bestimmung der Landbedeckung dient der Modellbildung, des Monitorings und der Entwicklungsprognose terrestrischer Ökosysteme, ebenso wie der Klimamodellierung und -vorhersage. Ein weiteres Ziel ist die Gewinnung von globalen Referenzhöhendaten. Die Realisierung der Mission ist z.Z. (2006) unterbrochen.

Vegetation Canopy Lidar Vegetation Canopy Lidar Quelle: http://essp.gsfc.nasa.gov/vcl/index.html

Weitere Informationen: Vegetation Canopy Lidar (NASA)

Vegetation Health Index (VHI)

Dieser von der NOAA entwickelte Index ist ein Gradmesser der Vegetationsgesundheit basierend auf der Kombination der Grünintensität der Vegetationsdecke (NDVI) und der Temperatur (Brightness Temperature, BT).

NOAA verwendet die Bezeichnung VHI gleichzeitig als Oberbegriff für eine Gruppe verwandter Indices zur Vegetationsgesundheit. Sie sind alle aus den Strahlungswerten abgeleitet, die vom Advanced Very High Resolution Radiometer (AVHRR) an Bord der Satelliten NOAA-7, 9, 11, 14, 16 and 18 ermittelt wurden. Die Daten (1981-Gegenwart) haben eine räumliche Auflösung von 4 km und sie stellen ein Komposit aus den Werten von jeweils 7 Tagen dar ( zeitliche Auflösung ).

Die VHI können als Proxydaten dienen zum Monitoring von Vegetationsgesundheit, Dürren, Feuchtigkeit, Temperaturverhältnissen, Feuerrisiko, Grünintensität der Vegetationsdecke, Blattflächenindex, Beginn/Ende der Vegetationsperiode, Produktivität von Ackerfrüchten und Grünland, ENSO-bezogene Telekonnexionen, Desertifikation, mückenübertragene Krankheiten, invasive Arten, ökologische Resourcen, Landdegradation usw.

Daten sind zusammen mit anderen Index-Typen nach Zeit und Region auf der entsprechenden NOAA / NESDIS-Seite abrufbar.

Vegetationsgesundheitsindex für Europa in der gleichen Kalenderwoche zweier aufeinanderfolgender Jahre
Vegetationsgesundheitsindex für Europa Vegetationsgesundheitsindex für Europa

Quelle: http://www.orbit.nesdis.noaa.gov/smcd/emb/vci/VH/index.html

Weitere Informationen: Monitoring Vegetation Condition from NOAA Operational Polar-Orbiting Satellites (F. Kogan, NOAA / NESDIS)

Vegetationsindex (VI)

Die Reduktion von Multispektralmessungen auf einen einzelnen Wert zur Vorhersage und Bewertung von Merkmalen der Pflanzendecke. Beispiele solcher Merkmale sind Blattfläche, Gesamtbiomasse, frische und trockene Biomasse, Chlorophyllgehalt, Pflanzenhöhe, Getreide- oder Futterertrag, Pflanzenstress.

Vegetationsindex in Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge
für zwei australische Stationen Vegetationsindex in Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge Quelle: http://www.cmis.csiro.au/rsm/research/salmapmon/figure3.htm

Seit den 1970er Jahren sind verschiedene Rechenverfahren zur Bestimmung des Vegetationsanteils entwickelt worden. Den einfachsten Typ von Vegetationsindex (VI) erhält man, indem man die Reflexion aus dem nahen Infrarot-Band (NIR) durch die Reflexion (R) aus dem roten sichtbaren Band dividiert:

Der Quotient ist größer je umfangreicher die gesunde grüne Vegetation ist. Die erklärt sich daraus, dass Vegetation stärker im NIR reflektiert als im roten sichtbaren Bereich. Im sichtbaren Teil des elektromagnetischen Spektrums reflektieren grüne Pflanzen nur sehr gering, was durch die hohe Absorption innerhalb der Blätter zu erklären ist. Im Spektralbereich um 0,7 mm, am Übergang zum nahen Infrarot, ist eine sehr starke Zunahme der reflektierten Strahlung zu verzeichnen. Im gesamten Infrarotbereich liegt der Reflexionsanteil zwischen 40 und 50%. Die Absorption in diesem Wellenlängenbereich durch die Blätter beträgt weniger als 10%. Der Rest der Strahlung wird transmittiert. Absorption und Brechung sind abhängig von den Zellstrukturen der Pflanzen. Die beschriebene Reflexionscharakteristik unterliegt weiterhin der Phänologie, dem Alter der Pflanzen und ihrem Vitalitätszustand. Aus letzterem können Ursachen für Veränderungen von Pigment- und Wassergehalt sowie zur Zellstruktur einer Pflanze abgeleitet werden.
Neben diesen, das einzelne Blatt beeinflussenden Faktoren sind noch folgende Größen von Bedeutung:

  • Blattflächenindex
  • prozentuale Bodenbedeckung
  • Geometrie der Vegetationsdecke
  • Zusammensetzung der Vegetationsdecke (Blätter, Stengel, Äste, Stämme, etc.) und Reflexionseigenschaften der einzelnen Komponenten
  • Eigenschaften des Hintergrundes (Reflexionsverhalten des Bodens, Bedeckung mit Blattstreu, etc.)
  • Sonnenhöhe und Sonnenazimut
  • Blickwinkel und Azimut des Sensors

Andere Indizes bilden eine Differenz und/oder einen Quotienten aus den Reflexionswerten der Kanäle für sichtbares Rot und nahes Infrarot (z.B. NDVI). Die Berechnung der Quotienten erfolgt, um den Einfluß des unterliegenden Bodens auf die Gesamtreflexion zu minimieren. Es wird davon ausgegangen, daß die Reflexion des Bodens relativ gleichmäßig vom sichtbaren Bereich zum nahen Infrarot ansteigt. Ein Quotient bleibt daher von Unterschieden des Bodentyps oder der Bodenfeuchte relativ unbeeinflußt, so daß der Anteil an Vegetation die entscheidende Größe bleibt. Der Wert der Indizes nimmt mit steigendem Vegetationsanteil zu.

Vektor

Bezeichnung für die direkte Verbindung zwischen zwei Punkten, angegeben durch die Koordinatensätze der beiden Punkte oder ein Punkt in einem Vektorraum, der durch einen Koordinatensatz oder Richtung und Abstand bezogen auf den Ursprung eines Koordinatensystems definiert ist.

Vektordaten

Datenart eines speziellen Datenmodells zur Verwaltung von Geometriedaten, dem Vektordatenmodell. Im Vektordatenmodell wird der Lagebezug über Koordinatenangaben aufgezeichnet. Ein Punkt wird über eine x-, eine y- und gegebenenfalls über eine z-Koordinate (Rechtswert, Hochwert, Höhe) genau beschrieben. Eine Linie kann man mit zwei oder mehr solcher Tupel oder Tripel und eine Fläche durch eine geschlossene Linie wiedergeben. Attribute sind verbunden mit dem Objekt (im Gegensatz zu einer Rasterdatenstruktur, die Attribute mit einer Rasterzelle verbindet). Z.B. "weiß" eine Linie nach der Eingabe entsprechender Sachdaten, dass sie eine Wasserleitung mit dem Durchmesser 150 mm aus Grauguss ist, verlegt im Jahr 1998. Darüber hinaus kann sie mit anderen Leitungen oder Schiebern, Ventilen usw. topologisch verknüpft sein.
Zur Bildung von Flächennetzen (z.B. Liegenschafts- und Grünflächenkataster, Bebauungsplan, Flächennutzungsplan, Realnutzungskartie-rungen) sind Vektordaten unabdingbar. Denn nur durch geschlossene Linienzüge (Polygone) können Flächenobjekte gebildet werden, denen Sachdaten und Topologien (Nachbarschaftsbeziehungen) gegeben werden können.

Vektordatenmodell

Eine Abstraktion der realen Welt, in der räumliche Elemente repräsentiert werden in Form von Punkten, Linien und Polygonen. Diese sind geographisch referenziert bezüglich eines Koordinatensystems.

Vektorgrafik

Die älteste Form der Computergraphik. Ihre Grundprimitive sind der Punkt, die Linie und die Fläche, die durch Koordinaten beschrieben und um ihre graphische Darstellungsform ergänzt werden.
Vektordaten werden häufig verwendet, um Analysen mit diskreten (diskontinuierlichen) Objekten, wie z.B. Straßen, Gebäuden und Grundstücken, durchzuführen. Objektgrenzen und Verläufe lassen sich mit hoher Präzision darstellen. Flächen und Längen lassen sich sehr genau berechnen.

Rasterdaten Rasterdaten Quelle: http://www.gis-tutor.de/theorie/grundlag/ datstruk/datstruk.htm Vektordaten Vektordaten Quelle: http://www.gis-tutor.de/theorie/grundlag/ datstruk/datstruk.htm Flurkarte als Vektorgrafik Flurkarte als Vektorgrafik Quelle: Geoinformatik-Service, Uni Rostock
Venus Express

Von der ESA bei der Fa. Astrium in Auftrag gegebene Raumsonde zur Erforschung der Atmosphäre der Venus. Die ESA nutzt dabei das Design des Mars Express. Im Spätjahr 2005 soll die 1.270 kg schwere Sonde mit einer russischen Sojus-Rakete ins All starten und innerhalb von 153 Tagen den Nachbarplaneten erreichen. Venus Express ist Europas erste Sonde zu diesem Planeten und die erste, die eingehend dessen Atmosphäre untersucht. Die Sonde soll für ihre Datenaufnahme während 500 Erdtagen (entsprechend 2 Venustagen) die Venus auf einer elliptischen, polnahen Bahn umfliegen, auf der ihr Abstand zwischen 250 und 66.000 km schwankt. Mit einer Reihe von Messgeräten soll die Sonde beispielsweise die chemische Zusammensetzung und Windgeschwindigkeiten in der Venusatmosphäre messen.

Venus Express

(künstlerische Ansicht)

Venus Express
Quelle: http://sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=35053

 

Treibhauseffekt auf Venus Treibhauseffekt auf Venus

Die Sonnenstrahlen durchdringen die wolkenreiche Venusatmosphäre und erwärmen die Oberfläche des Planeten. Wenn die Hitze von der Oberfläche aufsteigt, wird sie von der Wolkenschicht großenteils am Entweichen in das All gehindert: der Treibhauseffekt entsteht.

Quelle: http://sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=32778

Weitere Informationen:

Veränderungserkennung

Vergleich (z.B. mittels Bildkorrelation) von zu verschiedenen Zeiten aufgenommenen Bildern zur Aufdeckung von Veränderungen.

Verifikation

Überprüfung von Fernerkundungsdaten durch Geländekontrolle oder durch Abgleich mit FE-Daten anderer Sensoren.

Verkürzung

In der Radartechnik die Erscheinung, dass zur Antenne hin geneigte Geländeflächen im Bild verkürzt wiedergegeben werden.

Verzerrung

Engl. distortion;

  1. die durch die kartographische Abbildung verursachten Längen-, Flächen- und Winkelabweichungen gegenüber dem Urbild.
  2. die Lageveränderung der Flächenelemente eines Bildes bei der Abbildung durch ein optisches System, wenn der Abbildungsmaßstab von der Lage der Flächenelemente abhängig ist.
VIS

Engl./franz. Abkürzung für visible, Bezeichnung für den sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums, Wellenlängenbereich ~0,40µm - ~0,75µm

Visible/Infrared Spin Scan Radiometer (VISSR)

Multispektrales abbildendes System mit hoher Auflösung, das auf GOES-Satelliten (vor GOES-8) eingesetzt wurde. Ähnliche Systeme befinden sich auch in METEOSAT.

Voyager 1 / 2

Bezeichnung für zwei im August und im September 1977 zu einer Forschungsmission der Planeten Jupiter und Saturn gestarteten Zwillingsraumschiffe der NASA. Nach Erfüllung dieser Aufgaben verfolgte Voyager 1 eine interstellare Route, Voyager 2 hingegen nahm Kurs auf Uranus und Neptun. Nach seiner Begegnung mit Neptun im Jahr 1989 verließ Voyager 2 das Sonnensystem, allerdings in einer anderen Richtung als Voyager 1. Im Verlauf ihrer Vorbeiflüge an den äußeren Riesenplaneten entdeckten die Voyagers Vulkane auf dem Jupitermond Io, identifizierten 25 neue Monde, bestimmten die Atmosphären und die chemische und geologische Zusammensetzung der vier Planeten und analysierten die Eigenschaften des interplanetaren Sonnenwindes.
Seit 1990 befinden sich die Voyagers auf einer interstellaren Mission, um die äußersten Bereiche der Heliosphäre, die entfernten Sonnenwinde und die Interaktion zwischen beiden zu erkunden. 1998 wurde Voyager 1 zum entferntesten menschengemachten Objekt im All, als er 10,4 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt war.

Voyager 1/2 Voyager 1/2 Quelle: http://voyager.jpl.nasa.gov/image/index.html Routen der Voyagers Routen der Voyagers Quelle: http://voyager.jpl.nasa.gov

Das markanteste Merkmal der Sonden sind die 3,5 Meter großen Hochleistungsantennen, die für die Datenübertragung zwischen den Voyager-Sonden und den Kontrollstationen auf der Erde verantwortlich sind.

Des weiteren tragen die Voyager-Sonden eine gold-schimmernde "Schallplatte" mit sich, die "Klänge der Erde (Sound of Earth)" genannt wird. Auf diesen Platten sind Grußbotschaften der Menschen mit Bildern und Geräuschen unseres Planeten vorhanden, um eventuellen Intelligenzen, die auf die Sonde stoßen sollten, zu offenbahren, woher diese "Reisenden" kommen.

Die goldene 'Schallplatte' auf Voyager 1/2 Die goldene 'Schallplatte' auf Voyager 1/2 Quelle: http://voyager.jpl.nasa.gov/spacecraft/goldenrec.html

Die Raumsonden Pioneer 10 und 11, die den Voyagers vorausgingen, trugen beide kleine Metalltafeln mit Abbildungen von Mann und Frau sowie Informationen zu Entstehungszeit und Herkunft als Information für Außerirdische, die irgendwann auf sie stoßen könnten.

Nach diesem Vorbild brachte die NASA eine Art Zeitkapsel auf den Voyagers unter. Sie soll möglichen extraterrestrischen Wesen Informationen über die Geschichte unserer Welt vermitteln.

Die Voyager-Botschaft ist einer 12-Zoll-'Schallplatte' aus goldüberzogenem Kupfer eingegeben, sie enthält Töne und Bilder zur Diversität irdischen Lebens und Kultur. Der Inhalt der Platte wurde von einem Kommittee ausgewählt, das von Carl Sagan von der Cornell University geleitet wurde. Man stellte 115 Bilder zusammen und eine Auswahl von natürlichen Tönen (Brandung, Wind, Donner, Vögel, Wale u.a. Tiere). Sie fügten Musikbeispiele aus verschiedenen Kulturen und Epochen bei sowie gesprochene Grüße in fünfundfünzig Sprachen und auch gedruckte Botschaften von Präsident Carter und UN-Generalsekretär Waldheim.

Es wird nunmehr rund 40.000 Jahre dauern bis die Voyager-Sonden ein anderes Planetensystem erreichen. Carl Sagan merkte an: “The spacecraft will be encountered and the record played only if there are advanced spacefaring civilizations in interstellar space. But the launching of this bottle into the cosmic ocean says something very hopeful about life on this planet.”

Weitere Informationen: Voyager - The Interstellar Mission (NASA, JPL)


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