Lexikon der Fernerkundung

Deutsches Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC)

Engl. German Space Operations Center (GSOC); das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München ist seit 1969 für den Betrieb von Raumfahrzeugen verantwortlich, wobei es an zahlreichen unbemannten und bemannten Missionen maßgeblich beteiligt war und ist. In den vergangenen Jahren ist die Vorbereitung und Durchführung von Erdbeobachtungsmissionen als neuer Schwerpunkt hinzugekommen. So wurden seit dem Jahr 2000 die Satelliten CHAMP, BIRD und GRACE gestartet und betrieben. Am 15. Juni 2007 startete der deutsche Radarsatellit TerraSAR-X, der hochwertige Radardaten der Erdoberfläche liefert. Am 21. Juni 2010 kam der Radarsatellit TanDEM-X hinzu, der mit seinem Zwillingssatelliten TerraSAR-X im Formationsflug betrieben wird. Außerdem wird in Zukunft auch der Hyperspektralsatellit EnMAP von Oberpfaffenhofen aus gesteuert und überwacht.

Darüber hinaus übernimmt das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum die Durchführung von Betriebsaufgaben für das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo. Dabei wird es den Regelbetrieb der 30-Satelliten-Konstellation über mindestens 20 Jahre hinweg durchführen. Bei allen diesen Aufgaben sind hohe Sicherheitsstandards sowie die Verknüpfung einer Vielzahl komplizierter Betriebsabläufe von entscheidender Bedeutung.

Die Aufgaben des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums:

Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum ist mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die herausragende Raumfahrt-Einrichtung am DLR-Standort Oberpfaffenhofen. Es ist mit der Vorbereitung und Durchführung von nationalen und internationalen Raumfahrtmission auch das zentrale Element der Raumfahrtaktivitäten in Deutschland. In den vielfältigen bemannten und unbemannten Missionen ist es dabei zuständig für:

Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum handelt dabei im Rahmen der Zielsetzungen des nationalen Deutschen Raumfahrtprogramms. Dabei werden sowohl internationale Verpflichtungen (zum Beispiel in Projekten der Europäischen Weltraumorganisation ESA und bei dem Betrieb des Weltraumlabors Columbus auf der ISS) oder in Kooperationen (zum Beispiel beim Satellitenprojekt GRACE mit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA) erfüllt, als auch Projekte im Bereich kommerzieller Systeme (wie zum Beispiel bei TV-SAT, DFS, EUTELSAT) realisiert. So werden kommerzielle, wissenschaftliche und bemannte Missionen am Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum parallel durchgeführt.

Ab 2019 werden die ESA und das DLR ihre Kompetenzen bündeln: In den Bereichen Missionsbetrieb und Bodeninfrastruktur werden das Europäische Raumfahrtkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt und das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) Synergieeffekte nutzen und gemeinsam neue Konzepte, Technologien und Verfahren entwickeln. Die Unterzeichnung des Kooperationsvertrags erfolgte am 18. Dezember 2018 am DLR in Oberpfaffenhofen im Rahmen des "Interoperability Plenary" Treffens, welches Vertreter von weltweit 12 Raumfahrtagenturen zusammenführt.

Die Kooperation zwischen ESOC und GSOC umfasst insgesamt fünf Bereiche: Bodenkontrollsysteme, Bodenstationen, Sicherheit im Weltraum und On-Orbit Servicing, Post-ISS und Bemannte Raumfahrt sowie Allgemeine Zusammenarbeit. Im Bodensegment arbeiten beiden Kontrollzentren bereits an einer Software für den gemeinsamen Missionsbetrieb, der sogenannten "European Ground Systems Common Core" (EGS-CC). In der weiteren Planung ist unter anderen ein Projekt zur Entwicklung und zum Aufbau eines Netzwerks von optischen Bodenstationen, die Datenübertragungen per Laser ermöglichen. So können künftig Quantenschlüssel für eine sichere Kommunikation übertragen werden.

Weitere Informationen:


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