Weltraumsicherheitsstrategie
Die Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung (verabschiedet im November 2025) ist ein umfassendes, ressortübergreifendes Konzept, das Deutschlands Interessen im All schützt. Sie setzt auf Resilienz, Verteidigungsfähigkeit, internationale Kooperation und erhebliche Investitionen, um Bedrohungen im Weltraum zu begegnen und die Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) zu sichern.
Weltraumbasierte und weltraumgestützte Daten, Dienste und Produkte durchdringen den Alltag aller Bürgerinnen und Bürger. Wir nutzen Satelliten zur Positionsbestimmung, Navigation, Verbreitung von Zeitsignalen, Kommunikation sowie zur Wetter- und Erdbeobachtung. Ein Ausfall oder eine Störung hätten gravierende Auswirkungen auf unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Notfalldienste der Feuerwehr, der Polizei oder des Bevölkerungsschutzes wären nur noch eingeschränkt nutzbar oder satellitengestützte
Logistik könnte ausfallen. Neben Wirtschaft und Gesellschaft ist die Weltraumnutzung durch staatliche Stellen, wie zum Beispiel die Bundeswehr, ein unverzichtbares Instrument der Urteils- und Handlungsfähigkeit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik.
Deutschland ist aufgrund seiner datenbasierten und vernetzten Industrie- und Informationsgesellschaft in hohem Maße von einer funktionierenden 'Weltrauminfrastruktur' und der durch diese bereitgestellten Daten, Dienste und Produkte abhängig. Daher begegnet die Bundesregierung, gemeinsam mit ihren Alliierten und Partnern, den Bedrohungen und Herausforderungen im Weltraum mit dem Aufbau eigener Fähigkeiten.
Die WRSS der Bundesregierung trägt den zunehmend komplexen Bedrohungen in der Dimension Weltraum Rechnung, indem sie das politisch-strategische Fundament für die gesamtstaatliche deutsche Weltraumsicherheitsarchitektur legt. Kern dessen ist die militärische Weltraumarchitektur der Bundeswehr. Übergeordnetes Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit Deutschlands im Weltraum sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich, in Friedens- wie in Krisenzeiten nachhaltig zu sichern.
Weltraumsysteme und die damit bereitgestellten Daten, Dienste und Produkte sind nicht nur Gefahren durch Weltraumwetter, Weltraumschrott und erdnahe Objekte (Near Earth Objects, NEOs) ausgesetzt, sondern auch Gefahren, die sich aus dem stetig zunehmenden Weltraumverkehr ergeben.
Um ein ganzheitliches Weltraumlagebild zu erlangen, wurde das ressortgemeinsame Weltraumlagezentrum in Uedem zum Erkennen von Gefahren und Bedrohungen aufgebaut.
Quelle: Weltraumsicherheitsstrategie |
Ziele
- Sicherung der kontinuierlichen Nutzung von Weltraumdiensten wie Navigation, Kommunikation, Aufklärung und Erdbeobachtung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.
- Schutz deutscher Weltraumsysteme und der dazugehörigen Boden- und Netzinfrastruktur vor Störungen, Angriffen, Weltraummüll und Naturereignissen.
- Ausbau der militärischen Verteidigungsfähigkeit im Weltraum, ohne den Grundsatz der friedlichen und regelbasierten Nutzung aufzugeben.
Zentrale Handlungsfelder
Die Strategie bündelt Maßnahmen in drei übergeordneten Handlungsfeldern:
- Gefahren und Bedrohungen erkennen, Weltraumlage verbessern und Handlungsoptionen entwickeln (u.a. Weltraumlagezentrum, globales Sensornetzwerk, Lagebilder).
- Internationale Kooperation und nachhaltige Ordnung im Weltraum fördern, insbesondere in EU, NATO und mit weiteren Partnern, einschließlich Weiterentwicklung des Weltraumrechts und verhaltensbasierter Normen.
- Abschreckung aufbauen sowie Wehrhaftigkeit und Resilienz stärken, etwa durch redundante Multi‑Orbit‑Konstellationen, robuste Führungs- und Kommunikationssysteme und schrittweise Entwicklung aktiver Schutz‑ und Verteidigungsfähigkeiten.
Instrumente und Fähigkeiten
- Aufbau einer gesamtstaatlichen Weltraumsicherheitsarchitektur, deren Kern die militärische Weltraumarchitektur der Bundeswehr bildet (u.a. Weltraumkommando, Führungsstrukturen, Verbindung zur zivilen Nutzung).
- Investitionen von rund 35 Milliarden Euro bis 2030 aus dem Verteidigungshaushalt für Raumfahrt und Weltraumsicherheit (Satellitennetze, Sensornetzwerke, Führungsfähigkeit, neue Trägersysteme).
- Entwicklung von „Responsive Space“, hochagilen Schutzsystemen und Multi-Orbit-Satellitenkonstellationen, häufig in Anbindung an europäische Programme wie IRIS².
Normative Leitlinien
- Bekenntnis zur friedlichen, nachhaltigen und regelbasierten Nutzung des Weltraums und explizite Absage an ein unkontrolliertes Wettrüsten, bei gleichzeitiger Entwicklung glaubwürdiger Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten.
- Orientierung an internationalem Weltraumrecht und Einsatz für dessen Weiterentwicklung, etwa über Transparenzmaßnahmen, vertrauensbildende Schritte und verhaltensbasierte Normen gegen destruktive Antisatelliten-Tests.
Einbettung in EU und NATO
- Enge Anbindung an die EU Space Strategy for Security and Defence sowie an Vorhaben zur europäischen Verteidigungsbereitschaft; Deutschland strebt eine gestaltende Rolle in der europäischen Weltraumsicherheitsarchitektur an.
- Vertiefte Kooperation mit der NATO, die den Weltraum bereits als eigenständigen Operationsraum definiert, einschließlich Beitrag zu Lagebildern, Resilienz der Alliierten und gemeinsamer Verteidigungsplanung.
Die Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung trägt den zunehmend komplexen Bedrohungen in der Dimension Weltraum Rechnung, indem sie das politisch-strategische Fundament für die gesamtstaatliche deutsche Weltraumsicherheitsarchitektur legt. Kern dessen ist die militärische Weltraumarchitektur der Bundeswehr.
Unverzichtbare Bestandteile einer tragfähigen Weltraumsicherheitsarchitektur und Voraussetzung der eigenständigen Handlungsfähigkeit im Weltraum sind die Fähigkeit zur Lagebeurteilung, die Erhöhung der Resilienz der eingesetzten Weltraumsysteme sowie deren Schutz und Verteidigung.
Quelle: Weltraumsicherheitsstrategie |
Weitere Informationen:
- Weltraumsicherheitsstrategie (Bundesregierung 2025)

