Vigil
Vigil, früher bekannt als Lagrange, ist eine von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) entwickelte Weltraumwettermission. Die Mission mit Instrumenten ausstattet sein, die in der Lage sind, die Sonne, ihre Korona und das interplanetare Milieu zwischen Sonne und Erde zu überwachen, Frühwarnungen vor erhöhter Sonnenaktivität abzugeben, potenzielle Bedrohungen für die Gesellschaft und die boden-, luft- und weltraumgestützte Infrastruktur zu erkennen und zu entschärfen sowie Weltraumwettervorhersagen für vier bis fünf Tage zu ermöglichen.
Zu diesem Zweck wird die Vigil-Mission zum ersten Mal eine Raumsonde am Lagrange-Punkt 5 (L5) zwischen Sonne und Erde platzieren, von wo aus sie einen „seitlichen“ Blick auf die Sonne werfen und Regionen mit Sonnenaktivität auf der Sonnenoberfläche beobachten kann, bevor sie sich zur Erde hin drehen.
Vigil wird einen vom U.S. Naval Research Laboratory entwickelten kompakten Koronographen, einen heliographischen Imager von Leonardo SpA aus Florenz und einen Photospheric Magnetic Field Imager (PMI) des deutschen Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung enthalten. Darüber hinaus wird Vigil einen Plasmaanalysator des Mullard Space Science Laboratory in London und ein Magnetometer des Imperial College London mitführen. Die NASA liefert das sechste Instrument von Vigil, einen Imager für extremes Ultraviolett.
Die Beobachtungen von Vigil werden in verschiedene Weltraumwetterdienste einfließen, darunter auch in das ESA-eigene Space Weather Service Network. Die Daten von Vigil sollen frühere spezifische Weltraumwetterwarnungen ermöglichen. Damit könnten verwundbare Systeme wie Satelliten, Stromnetze und Kommunikationssysteme vorbereitet und vor schädlichen Auswirkungen geschützt werden.
Lloyd's, der weltweit führende Marktplatz für Versicherungen und Rückversicherungen, hat sein neuestes Szenario für systemische Risiken veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die Weltwirtschaft über einen Zeitraum von fünf Jahren Verluste in Höhe von 2,4 Billionen Dollar erleiden könnte, wobei die Bedrohung durch einen hypothetischen Sonnensturm mit einem Verlust von 17 Milliarden Dollar verbunden wäre.
Im Gegensatz zu den bisherigen wissenschaftlichen Missionen zur Beobachtung des Sonnenwinds und der Sonnenaktivität, die ihre Daten sammeln und in regelmäßigen Abständen zur Erde senden, würde Vigil die Daten nicht speichern, sondern wie ein Wettersatellit in ständigem Kontakt zu einer Bodenstation stehen und permanent aktualisierte Daten zur Auswertung liefern.
Zu Bau und Entwicklung von Vigil wurde von der ESA ein Vertrag mit Airbus Defence & Space UK im Umfang von 340 Millionen € abgeschlossen. Gebaut wird die Sonde in Stevenage. Der Start ist für 2031 vorgesehen.
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